Ich versuche immer noch, dich nicht zu lieben

Vor einiger Zeit hatte ich einen Albtraum.

In diesem Traum wachte ich auf und konnte dich nirgendwo finden. Die rechte Seite des Bettes war kalt und aufgeräumt. Ich konnte deinen Duft an meinem Haar und meiner Haut spüren, aber dein Shampoo war nirgendwo in der Dusche zu finden. Die leere Erdnussdose, die du als Aschenbecher benutzt hast, stand weder auf dem Kaffeetisch noch auf der Terrasse.

Deine Jura-Bücher waren aus meinem Regal geräumt. Sogar unser Lieblingsbuch war nicht mehr da. Ich verfolgte jede Spur, indem ich versuchte, mich selbst davon zu überzeugen, dass alles eine Halluzination war. Aber alles was jemals mit dir zu tun hatte, war plötzlich verschwunden.

Ich konnte nicht atmen, und trotzdem verlangte meine kleine Lunge, die wieder schwach und nikotinfrei war, eine Zigarette weit vor 10 Uhr morgens. Doch ich konnte nirgendwo deine Zigaretten finden, weil sie genauso wie dein Feuerzeug verschwunden waren.

Alles verschwand mit dir…

Aber dann wachte ich aus diesem Albtraum auf und du warst neben mir. Ich spürte deine Wärme. Deine Haut strahlte von der Sonne, die durch das Fenster schien. Du hast immer noch geschlafen. Doch ich wusste, dass wenn du deine kleinen braunen Augen aufmachst, du gut ausgeruht sein wirst, aber trotzdem werden deine dunklen Augenringe dein Gesicht zieren.

Ich spürte wie dein Herz schlug und wie du im gleichen Rhythmus mit mir geatmet hast. Während ich dich anschaute zitterte mein ganzer Körper und ich wusste, dass du es kaum abwarten konntest deine Augen zu öffnen und mein Gesicht zu sehen.

Du hattest ein kleines Lächeln im Gesicht, das verriet, dass du von uns träumst. Doch auf einmal öffneten sich deine Augen und sie sahen mich so verliebt an, dass ich gleich das Bedürfnis spürte, dich zu umarmen. Deine Hände streichelten jeden Zentimeter meines Körpers und ich wollte das es für immer dauert. Diese Gewohnheit praktizierten wir jeden morgen und wir haben die gegenseitigen Berührungen sehr genossen.

Du hast mich immer als deine Göttin bezeichnet, die all deine Wünsche erfüllt hat. Ich liebte es mit dir die Zeit zu verbringen, weil unsere Beziehung so leidenschaftlich war. Alle Momente mit dir waren etwas unvergessliches und ich weiß, dass du das gleiche empfunden hast.

Doch wie die Monate vergingen, spürte ich das etwas nicht stimmt. Denn deine kleinen Augen, haben dich verraten. Ich sah kein Funkeln mehr in ihnen und dein Lachen sah irgendwie aufgesetzt aus. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass du Zweifel an unserer Beziehung hattest. Zweifel an unserer Liebe? Nein, das konnte nicht sein. Ich hatte Angst dich irgendetwas zu fragen. Ich konnte es einfach nicht über die Lippen bringen.

Doch bevor ich dir irgendeine Frage gestellt habe, hast du angefangen zu reden. Du hast von einer anderen Frau geschwärmt. Von dem Moment an zerbrach meine Welt. All meine Träume zerplatzten wie eine Seifenblase.

Jetzt wache ich jeden Morgen alleine auf. Ich kann nicht mehr deine Wärme, deine Umarmungen und deinen Duft spüren. Sie hat mir alles weggenommen.

Aber nein, sie kann und wird nie so glücklich mit dir sein, wie ich es war. All diese Momente, die wir erlebt haben kann uns keiner nehmen.

Ich habe all deine Sachen noch immer in meiner Wohnung. Deine Bücher, deine Hemden, deine Zigaretten. Und ich? Ich trage dich immer noch in meinem Herzen. Und ich weiß, dass auch du mich in deinem Herzen trägst – dass ich noch irgendwo tief in deinem Herzen eingesperrt bin. Denn du kannst mich nicht einfach so vergessen. Es fällt mir schwer meine Lieblingsbücher zu lesen, seit wir aufgehört haben zu sprechen.

Ich habe dich mit ihr in der Stadt gesehen. An deiner Seite stand eine Frau wo ich hätte stehen sollen. Eine andere Frau hielt die Hand, die ich hätte halten sollen. Es tut weh, es tut unheimlich weh. Du sahst glücklich aus. Als hättest du mich und unsere Träume schon längst vergessen. Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf. Tausende Fragen und ich konnte keine einzige beantworten.

Wie soll ich einen Mann aufhören zu lieben, der mir alles bedeutet hat? Wie soll ich einen Mann vergessen, wenn mich alles an ihn erinnert? Aber ich weiß das ich es schaffen werde. Genau wie du mich vergessen hast, so werde ich nicht mehr an dich denken…

Ich bin mir sicher, dass Jahre vergehen müssen, bis ich dich aus meinem Kopf bekomme. Ich versuche mich mit allem abzulenken nur damit ich nicht an dich denke. Ich versuche immer noch, dich nicht zu lieben, aber in diesem Moment ist das unmöglich. Aber eines Tages werde ich genau das schaffen, was du schon lange geschafft hast. Und zwar dich nicht mehr zu lieben…

„Ella, 28“