Der Mann, den ich nie wollte…

Ich weiß nicht ob es besser wird wenn es anders wird, aber ich weiß dass es anders werden muss wenn es werden soll.

Ich muss einfach an dir festhalten – damit ich es zumindest versucht habe. Ich weiß, dass es mich zerreissen würde dich wieder zusehen und mir vorwerfen müsste es nicht versucht zu haben. Zu feig gewesen zu sein – zu viel Angst vor dem Fall. Ich weiß wie sehr ich am Boden liegen werde wenn es schief geht, ich weiß, dass es riskant ist mich immer mehr auf dich einzulassen, doch ich muss es riskieren .

In mein Leben trat ein Mann denn ich nie wollte – gutaussehend Musiker, selbstbewusst, homorvoll, spielte in einer Band. Ich wusste von Anfang an, dass er nicht viel machen musste um nicht allein zu sein. Ein Mann denn man nie alleine hat – kein Mann für eine treue Seele wie mich.

Und dieser Mann verzauberte mich mehr wie jeder andere.

Ich war bodenständig, erfolgreich, lebenslustig und hatte ein glückliches erfülltes Leben. Ich ging mit viel Leichtigkeit und Lebensfreude durchs Leben. Ich hätte mich damals als das normale 0815 Frau beschrieben ohne viele Probleme ohne wilder Vergangenheit und auch ohne schrecklichen Geschichten. Ich war jemand der leicht zufrieden war und sich das Leben selbst einfach machte.

Und da kam er ein Musiker der Mechaniker war, nur arbeiten und die Musik kannte. Die Zeit die am Wochenende nicht mit Auftritten verplant war, war durchzogen von Partynächten, Alkohol und den Tagen danach. Was mich zu diesen Menschen brachte, ihn überhaupt näher kennen zu lernen, weiss ich bis heute nicht… ich spürte ab dem ersten Mal wo wir miteinander sprachen große Vertrautheit und fühlte mich trotz allem sehr hingezogen. Nach einer Zeit in der wir Kontakt hielten, liess ich mich darauf ein „auf ein bisschen Spaß“. Ich wusste damals schon irgendwie, dass ich der Typ für nur Spaß sei, jedoch war er genau der Typ den ich ja nie wollte und sehr anziehend.

Auch in dieser Zeit fragte ich mich oft selbst warum ich die war, die bei ihm war, denn an Angeboten mangelte es ihm nicht, ich fühlte mich für ihn einfach zu normal zu wenig Tussi, Prinzessin und zu wenig extravagant. Doch es war jedes Wochenende so, dass ich es war die mit ihm nachhause ging, es gab seitdem ich ihn kennenlernte keine andere in seinen Leben.

Wir verbrachten immer mehr Zeit miteinander und er sagte mir oft dass ich für ihn etwas anderes sei wie alle anderen Frauen in der letzten Zeit.

Typisches Klischee dachte ich mir.

Mit der Zeit lernte ich einen ganz anderen Menschen kennen der mich fragte was er für Süßigkeiten einkaufen sollte, was ich unternehmen möchte usw. Er erzählte mir von der Vertrautheit und dem Vertrauen mir gegenüber und genau dasselbe fühlte ich seit Anfang an – als würden wir uns schon lange kennen. Er zeigte mir auch eine ganz andere Persönlichkeit weit ab von Oberflächlichkeit.

Doch im nächsten Moment gab er mir das Vertrauen mit dem ich niemals gerechnet hatte und zeigte mir wer er wirklich sei – er war mit dem Leben unzufrieden, unglücklich und konnte weder allein sein noch mit jemanden anderen. Er öffnete sich mir wie er es schon Jahre nichtmehr getan hatte

Er erzählte mir von seinen Leben die letzten 2 Jahre mit vielen verschiedenen Frauen nur um nicht allein zu sein. Von seiner Ex die ihm für etwas Besseres verlies und von seiner Untreue die er sich bis heute selbst nicht verziehen hatte. Sturzbetrunken war er einer der glücklichsten Menschen unbeschwert und locker sprach Dinge über unser Verhältnis aus die er sich nüchtern nie sagen traute, sprach von einer Zukunft (die ich ja eigentlich nie wollte) und am nächsten Tag kam das alles auf einmal – da lernte ich noch seine Alkdepressionen kennen die ihn manchmal, am Tag nach einer Partynacht, nicht mal aus den Bett brachten und manchmal heulend ans Bett fesselten. Es ging so weit, dass er in so manchen Alkdepressionen davon sprach nicht mehr Leben zu wollen oder leichte Verfolgungsängste bekam.

Ich wusste das ich mich entscheiden müsste entweder war jetzt der Zeitpunkt zu gehen oder ich müsste versuchen ihm zu helfen.

Ich entschied mich zu bleiben, weil ich nicht gehen konnte.

Ich wusste ich würde mir es nicht verzeihen, wenn ich es nicht versucht hätte. Plötzlich trotz diesen Problemen war der Mann den ich nie wollte plötzlich der ohne den ich nie wollte. Jedoch, was mich erwartete stellte mich auf viele Proben. Ich begann jemanden zu lieben der sich zum Teil selber nicht liebte. Ich versuchte Probleme zu bewältigen die nicht meine waren und ich kannte solche Probleme nicht. Ich ging mit der Situation den Umständen entsprechend gut um obwohl ich oft die Angst hatte selbst damit unterzugehen, tat ich es nie. Ich blieb der Mensch mit dieser Leichtigkeit und Lebensfreude. Jedoch schwor ich mir zu gehen falls ich diese irgendwann das Gefühle hätte zu verlieren, das alleine war mein Selbstschutz.

Er konnte nicht mit mir eine Beziehung führen, weil er nicht wusste wie das ging – aber irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich eine wollte.

Ich brauchte Sicherheit für das was ich tat, auch etwas zu bekommen. Er gab sein bestes jedoch konnte er manchmal nicht mit sich selbst umgehen – wie sollte er dann mit einem zweiten Menschen?

Oft stellte er mir die Frage warum ich noch da sei und die einzige Antwort die ich wusste war, weil mein Herz hier ist. Manchmal verstand ich mich selbst nicht, warum ich nicht gelaufen bin als ich noch konnte. Viele Streitereien folgten nüchtern und auch betrunken, wir führten irgendetwas das nach außen für alle wie eine Beziehung aussah. Doch die ganzen Probleme berührten mich nie so stark wie bei anderen Beziehungen zuvor, auch seine manchmal Egoistische Art berührte mich wenig. Ich hatte irgendwo in mir drinnen schon kapiert, dass er manchmal nicht anders konnte.

Irgendwann wusste ich auch, dass ich ihm aus dem allem nicht befreien kann und er das selbst tun musste und ich ihm nur helfen konnte.

Ich ließ ihm nicht mehr alles durchgehen setzte Grenzen und machte ihm klar, dass ich keine Option sei sondern eine Priorität. Dass ich nicht weiter da bin wenn es ihm schlecht geht, wenn er alles andere, sobald sein Leben in Ordnung ist, vor mich stellt. Ich zwang ihn während seiner Alkdepressionen aufzustehen und mit mir rauszugehen, ich zwang ihn zum Essen. Ich glaube ich half Ihm mit solchen Dingen und Verständnis mehr, als mit dem Mitleid zuvor.

Ich hab mich oft gefragt warum ich geblieben bin… Er hat oft gesagt, dass ich gehen sollte und was Besseres verdient habe. Ich weiß das etwas anders werden muss, aber ich weiß auch das ich jemanden nicht alleine lassen kann der sein Herz am rechten Fleck hat und schon gar nicht wen mein Herz an ihm klebt. Manchmal sehne ich mich nach der Liebe die er mir oft nicht zeigen kann und ich weiß auch dass ich diese verdiene.

Ich habe mir selbst Grenzen gesetzt wann es Zeit wird zu gehen, doch noch immer hoffe ich das er/wir es schaffen und ich die bin die ihn aus diesen Sumpf ziehe. Aber ich weiß mittlerweile, dass sich was ändern muss ansonsten bin ich gezwungen zu gehen….

Noch haben wir Zeit, viel Zeit sogar…Noch hab ich die Kraft zu kämpfen…

„Jana, 26“