Elternsein gilt meist als einer der schwierigsten Jobs überhaupt. Ein großer Teil dieses Stresses lastet dabei auf den Müttern, weil sie in den meisten Familien nach wie vor die Hauptbezugspersonen und Hauptverantwortlichen sind.
Doch könnte es etwas geben, das für Mütter sogar noch belastender ist als die eigenen Kinder?
Laut einer Umfrage lautet die Antwort eindeutig: ja. Auch wenn Elternsein alles andere als ein Spaziergang ist, gaben viele Frauen an, dass sie sich durch ihre Ehemänner stärker gestresst fühlen als durch ihre Kinder.
Viele Frauen empfinden ihre Männer als größere Stressquelle als ihre Kinder.
Nicht, weil er böse ist. Nicht, weil er sie absichtlich verletzen will. Sondern weil er sich in der Dynamik, in der sie leben, plötzlich wie ein zusätzlicher Mensch anfühlt, um den sie sich kümmern müssen. Wie ein weiterer Punkt auf einer ohnehin endlosen Liste. Wie ein weiterer „Gedanke“, den sie im Kopf behalten müssen, obwohl sie längst überlastet sind.
Obwohl moderne Mütter längst nicht mehr den Hausfrauen der 1950er-Jahre entsprechen, die ihre gesamte Zeit ausschließlich der Familie widmeten, hatten dennoch 75 % der Frauen das Gefühl, mehr Verantwortung für „Kindererziehung und Haushaltsaufgaben“ zu tragen als ihre männlichen Partner.
Die größte Stressquelle für Mütter ist dabei der ständige Zeitmangel – das Gefühl, nie genug Zeit zu haben, um all das zu schaffen, was sie glauben schaffen zu müssen. Und besonders belastend ist es, wenn sie sich von ihren Männern nicht ausreichend unterstützt fühlen.
Und das ist das eigentliche Problem: Es geht nicht darum, dass Männer „schlechter“ sind. Es geht darum, dass viele Beziehungen nach der Geburt von Kindern kippen. Und irgendwann sitzt sie da – müde, gereizt, innerlich leer – und merkt: Ich liebe meine Kinder. Aber ich halte diese Ehe nicht mehr aus.
Was viele nicht verstehen: Kinder sind anstrengend, ja. Aber Kinder sind ehrlich. Ein Kind ist ein Kind. Es ist laut, chaotisch, impulsiv, fordernd – aber es ist entwicklungsbedingt so.
Ein Kind muss nicht „besser wissen“. Es lernt. Es testet. Es braucht Führung. Es braucht Liebe.
Doch ein erwachsener Partner, der sich verhält wie jemand, der keine Verantwortung übernehmen will – der ist nicht einfach nur anstrengend. Der ist entmutigend. Weil er theoretisch verstehen könnte, was passiert. Weil er es besser wissen müsste.
Und genau dort entsteht dieser Stress, den viele Frauen kaum benennen können, weil er sich nicht wie „Stress“ anfühlt. Er fühlt sich wie Enttäuschung an. Wie ein tägliches, leises Scheitern. Wie das Gefühl, in einer Beziehung zu sein und trotzdem allein zu kämpfen.
Viele Mütter beschreiben, dass sie das Gefühl haben, alles zu managen: den Haushalt, die Termine, die Bedürfnisse der Kinder, den Einkauf, das Essen, die Wäsche, die Arztbesuche, die Geburtstage, die Schule, die Kleidung, die Emotionen, die Konflikte, die Müdigkeit. Und dann kommt noch das, was man nicht messen kann – aber was am schwersten wiegt: die mentale Last.
Dieses permanente „Mitdenken“. Dieses Planen, bevor überhaupt etwas passiert. Dieses Wissen, was fehlt, was bald gebraucht wird, was nicht vergessen werden darf. Und während sie all das trägt, ist der Partner oft… da. Physisch. Aber nicht wirklich in Verantwortung.
Manche Männer helfen sogar. Sie machen Dinge. Sie übernehmen Aufgaben. Aber oft bleibt das Gefühl: Er hilft mir. Nicht: Wir tragen gemeinsam. Und das ist ein entscheidender Unterschied.
Denn Hilfe bedeutet: Es ist eigentlich meine Aufgabe – und du unterstützt mich ein bisschen. Partnerschaft bedeutet: Es ist unsere Aufgabe – und wir sind beide zuständig.
Viele Frauen fühlen sich wie Projektleiterinnen einer Familie, die sie nicht allein gegründet haben. Sie koordinieren, delegieren, erinnern, kontrollieren, halten zusammen.
Und je mehr sie das tun, desto weniger fühlt sich der Mann wie ein echter Mitträger an. Und je weniger er trägt, desto mehr muss sie kompensieren. Ein Kreislauf, der irgendwann nicht mehr nur müde macht, sondern bitter.
Und dann passiert etwas, das kaum jemand sieht: Nicht die Kinder zerstören die Liebe. Sondern die Ungleichheit.
Die Ungleichheit in Verantwortung. In Aufmerksamkeit. In emotionaler Präsenz. In mentaler Arbeit. In dem Gefühl, dass sie immer diejenige ist, die „funktionieren“ muss – während er auch mal abschalten darf. Dass sie immer diejenige ist, die merkt, wenn es brennt – während er erst reagiert, wenn es längst lichterloh steht.
Viele Mütter haben das Gefühl, nie genug Zeit zu haben. Nicht, weil sie sich schlecht organisieren. Sondern weil sie in einem System leben, das sie permanent überfordert.
Ein System, in dem sie gleichzeitig Mutter, Partnerin, Arbeiterin, Köchin, Therapeutin, Planerin und emotionale Stabilität sein soll. Und während sie das alles versucht, wünscht sie sich oft nur eines: dass jemand sie sieht. Dass jemand mitträgt. Dass sie nicht in allem allein bleibt.
Wenn dieser Wunsch über lange Zeit unerfüllt bleibt, wird er zu Frust. Und Frust wird zu Distanz. Und Distanz wird zu einem inneren Rückzug, der irgendwann so still ist, dass niemand mehr merkt, dass die Beziehung längst nicht mehr lebt – sie wird nur noch verwaltet.
Manchmal wird aus Liebe dann so etwas wie Koexistenz. Zwei Menschen, die funktionieren. Zwei Erwachsene, die nebeneinander her leben, weil die Kinder sie zusammenhalten. Und sie spürt, dass sie innerlich immer kälter wird. Nicht, weil sie herzlos ist. Sondern weil sie nicht mehr kann.
Viele Männer wiederum glauben ehrlich, sie seien beteiligt. Sie sind heute tatsächlich oft präsenter als frühere Generationen. Sie spielen mit den Kindern, sie bringen sie ins Bett, sie gehen mal einkaufen. Und sie fühlen sich dann als engagierte Väter. Was sie dabei oft nicht sehen: Das ist nur ein Teil.
Es geht nicht nur um die sichtbaren Handgriffe. Es geht um das unsichtbare Fundament. Um das „Daran denken“. Um das „Planen“. Um das „Verantwortung übernehmen, ohne dass man dich daran erinnern muss“.
Und genau da prallen zwei Welten aufeinander: Sie sieht sich als Hauptverantwortliche, weil sie so leben muss, um den Alltag überhaupt am Laufen zu halten. Er sieht sich als unterstützend, weil er Dinge tut – und erwartet dafür Anerkennung.
Und sie fragt sich irgendwann nur noch: Anerkennung wofür? Dafür, dass du das machst, was eigentlich selbstverständlich wäre?
Das klingt hart. Aber viele Frauen fühlen genau das. Und oft schämen sie sich dafür. Weil sie ja eigentlich dankbar sein sollten.
Weil es „anderen schlechter geht“. Weil er ja nicht schlägt, nicht betrügt, nicht trinkt. Aber emotionale Vernachlässigung in einer Partnerschaft kann auch ohne Drama zerstören.
Die Wahrheit ist: Eine Ehe ist nicht automatisch stabil, nur weil man Kinder hat. Kinder sind kein Kleber. Sie sind ein Vergrößerungsglas. Sie zeigen, wie eine Beziehung wirklich funktioniert. Wie fair sie ist. Wie respektvoll. Wie belastbar. Wie ehrlich. Wie reif.
Und Elternschaft kann eine Partnerschaft auf eine Weise entlarven, die weh tut. Denn plötzlich reicht Liebe nicht mehr. Plötzlich braucht es Struktur. Teamarbeit. Verantwortung. Und die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen, um etwas Größeres zu tragen.
Wenn ein Paar das nicht schafft, passiert etwas Gefährliches: Sie brennt aus. Er fühlt sich kritisiert. Sie fühlt sich allein. Er zieht sich zurück. Sie wird lauter oder stiller. Und irgendwann ist da nicht mehr Streit – sondern Resignation. Und Resignation ist das Ende.
Viele Mütter sind nicht wütend, weil sie zu viel tun. Sie sind wütend, weil sie es tun müssen. Weil niemand es sonst wirklich tut. Und weil sie in einer Beziehung leben, in der sie sich trotzdem nicht getragen fühlt.
Und das ist der Punkt, an dem es nicht mehr um Erziehung geht. Sondern um Ehe. Um Partnerschaft. Um die Frage, ob zwei Erwachsene bereit sind, wirklich gemeinsam zu leben – nicht nur im selben Haus, nicht nur mit denselben Kindern, sondern als echtes Team.
Denn Kinder brauchen nicht nur Eltern, die funktionieren. Sie brauchen Eltern, die verbunden sind. Die sich respektieren. Die einander nicht auslaugen. Die Verantwortung teilen, ohne dass einer daran zerbricht.
Vielleicht ist genau das der ehrlichste Satz, den man über Familie sagen kann: Kinder sind anstrengend. Aber sie sind selten das Problem. Das Problem ist, wenn Erwachsene vergessen, erwachsen zu bleiben – und wenn eine Frau plötzlich merkt, dass sie nicht nur Mutter geworden ist, sondern auch diejenige, die alles trägt.
Und dann ist es nicht das Kind, das sie überfordert.
Sondern die Einsamkeit in einer Beziehung.
Eltern müssen deshalb darauf achten, nicht nur für ihre Kinder zu sorgen, sondern auch für ihre Beziehung. Es kann sehr sinnvoll sein, sich ehrlich zu fragen, ob die Partnerschaft wirklich bereit dafür ist, Kinder in das gemeinsame Leben aufzunehmen.









