Wie sollte ich lernen, dir zu vertrauen?

Zwei Monate sind wir nun schon getrennt. Seit zwei Monaten habe ich dich nicht mehr geküsst, deine Lippen berührt.

Zwei Monate ist es nun her, dass du mir gesagt hast, dass du mich nicht weiter in deinem Leben haben möchtest. Dass ich ausziehen soll und du mich nicht mehr sehen möchtest. Seit zwei Monaten liege ich nicht mehr abends in deinen Armen zum Einschlafen, sondern alleine im Bett und das einzige, was mir geblieben ist, ist das Gefühl, wie es ist, deine Nähe zu spüren.

Ja, ich gebe es zu. Ich vermisse dich. Mein Herz verlangt nach dir. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Es fühlt sich an, als würde es mit jedem Atemzug mehr wehtun. Manchmal habe ich das Gefühl, ich ersticke an all den schmerzhaften Erinnerungen. Manchmal möchte ich einfach nur schreien, Dinge an die Wand werfen und wegrennen. Doch ich weiß nicht wohin, denn du warst mein Zufluchtsort, vor all den Schlechten Dingen in der Welt. Du warst Alles für mich.

Ich lebe in der Hölle. Gefangen zwischen den Gefühlen Wut, Trauer, Hass, Angst und Hoffnungslosigkeit. Und ich kann dir nicht sagen, welches Gefühl am schmerzhaftesten ist, denn all diese Gefühle fressen mich von Innen her auf.

Denn in all der Zeit, in der wir zusammen waren, hast du mich jeden Tag auf’s Neue verletzt. Immer und immer wieder. Ich habe dir alles gegeben und es war dir nicht genug. Im Gegenteil – ich bekam nie etwas von dir zurück. Du dachtest wohl, ein bisschen Zärtlichkeit und unser Zusammenleben würde reichen. Doch es hatte mir nie gereicht. Ich wollte mehr. Ich wollte die „große Liebe“ für dich sein, aber das war ich nie für dich. Nein, nicht einmal ansatzweise.

Ich habe für dich alles aufgegeben. Ich bin für dich nach Berlin gezogen, habe dort eine neue Ausbildung angefangen und alles nur, weil ich dachte, dass du der Eine bist. Der Eine, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen werde. Und es hätte wahrscheinlich alles gut werden können, doch es gab eines, was uns im Weg stand – du fühltest nicht so sehr wie ich.

Jeden Tag habe ich mich gefragt, warum du mich nicht so sehr liebst, wie ich dich. Jeden Tag überkamen mich Selbstzweifel, ob ich es überhaupt wert bin, von dir geliebt zu werden. Dass du mir sagst und das Gefühl gibst, dass ich dir etwas bedeute. Ich habe oft wegen dir und wegen uns geweint. Ich war unglücklich. Und ich wollte es dir so oft sagen, doch du hörtest mir nie zu. Dich hat es nicht interessiert, wie es mir ging, was ich fühlte oder was ich dachte. Dir war es zu anstrengend und kompliziert, sich mit Gefühlen anderer auseinanderzusetzen.

Für dich hatte alles eine größere Priorität. Für dich zählten nur dein Hobby und deine Freunde. Du hast mich nie gefragt, ob wir gemeinsam etwas unternehmen wollen. Du warst so oft weg. Du warst so oft wo anders, statt bei mir. Du hast lieber mit anderen Mädchen geschrieben und es vor mir verheimlicht. Du hast nie mit mir geredet. Du hast mir nie eine Kleinigkeit geschenkt. Du sagtest nie zu mir, dass du mich liebst oder dass ich etwas Besonderes für dich bin. Du hast mir nie von deinem Leben erzählt. Du hast mir nie deine Gefühle gezeigt.

Nein, du hast dich selber als „gefühllos“ beschrieben. Doch das glaubte ich dir nicht. Ich sah mehr in dir. Ich sah dein großes Potenzial in einer Partnerschaft. Ich wollte diese Gefühle in dir erwecken, die du in mir geweckt hast – aber ich bin gescheitert. Ich habe es nicht in dein Herz geschafft. Ich hätte alles für dich gegeben. Ich gab dir jede Freiheit, die du haben wolltest. Ich wollte es dir immer Recht machen, damit du glücklich bist. Aber das war falsch von mir.

Und letztendlich war ich in deinen Augen die Schuldige – immer und für alles.

Selbst nachdem du Schluss gemacht hattest, konntest du es nicht lassen, mir die Schuld für das Ende unserer Beziehung zu geben. Ich sei zu eifersüchtig gewesen und ich hätte zu extreme Stimmungsschwankungen gehabt, sagtest du. Doch sage mir – wie sollte ich jemals Vertrauen zu dir aufbauen, wenn du mir nie gesagt oder gezeigt hast, was ich dir bedeute? Wie sollte ich lernen, dir zu vertrauen, wenn du mich jedes Mal im Stich gelassen hast, wenn ich emotionale Unterstützung gebraucht habe? Wie sollte ich lernen, mich vor dir zu öffnen, wenn du dich selber hinter deinen eigenen Mauern eingeschlossen hast? Wie sollte ich dir vertrauen, wenn du mich gar nicht in dein Leben und in dein Herz gelassen hast?

Und auch, wenn unsere Trennung momentan mehr schmerzt als alles andere, glaube ich daran, dass ich dir eines Tages dankbar dafür sein werde.

Ich glaube daran, dass ich dankbar sein werde, dass du unsere Beziehung beendet hast. Denn ich habe in unserer Beziehung gegen Windmühlen gekämpft. Ich habe all meine Kraft in unsere Beziehung investiert und habe mich und meine Bedürfnisse völlig vernachlässigt. Jeder Tag war ein Kampf, ein Kampf um deine Liebe.

Und ich glaube daran, dass ich eines Tages der festen Überzeugung sein werde, dass ich etwas Besseres verdient habe. Ich glaube daran, dass du mir eines Tages nichts mehr bedeuten wirst. Denn deine Unfähigkeit eine Beziehung zu führen, hat mich kaputt gemacht. Ich glaube daran, dass ich jemanden verdient habe, der mich so nimmt wie ich bin. In guten wie in schlechten Zeiten. Der mir zuhört und der mit mir redet. Der mit mir an meiner Seite kämpft.

Und irgendwann werde ich glauben, dass ich mich nur in eine Wunschvorstellung von dir verliebt habe – und vielleicht habe ich dann eine neue Liebe gefunden und habe dich endgültig aus meinem Leben gelöscht.

A.