Ich bin 31 und Single – Warum es gleichzeitig schwer und toll ist

Als ich 23 Jahre alt war und in meinem ersten Job arbeitete, machte ich für alle Mitarbeiter im Büro Kekse als Teil ihres Weihnachtsgeschenks. Ich machte sieben verschiedene Sorten Kekse für jeden der 13 Mitarbeiter, und natürlich war das Team beeindruckt von meinen abgefahrenen Back- und wahrscheinlich auch Zeitmanagementfähigkeiten.

Als ich in die Buchhaltung ging, erklärte ich selbstbewusst, dass ich dafür übte, eine 5-Sterne-Mutter zu werden – diejenige, die die besten Schokokekse backt und total nett ist, sodass alle Kinder zum Spielen vorbeikommen wollen.

Das soll nun nicht heißen, dass Mutter zu sein mein einziges Ziel oder mein einziger Traum war. Ich hatte berufliche Ambitionen, gesundheitliche Ziele und all die anderen Dinge, die man als Typ-A-Perfektionist so hat, aber meine Erwartung war, dass all diese Dinge mit jemand an meiner Seite erreicht würden; mit dem liebevollen Gefühl einer Familie.

Tja, das war 2011. Heute backe ich mit Sicherheit keine Kekse für alle Kinder. Um genau zu sein, backe ich überhaupt keine Kekse für irgendwelche Kinder.

Wenn ich auf mein Kindheits-Ich, mein Gymnasium-Ich, mein Studium-Ich und selbst mein Ich von vor 5 Jahren zurückblicke, hätte ich nicht gedacht, dass ich je einen Artikel über das Singlesein schreiben würde – und ich hätte bestimmt nicht gedacht, dass ich in einer Großstadt in einer WG mit den sehr wenigen Dingen leben würde, die ich besitze. Stattdessen sah ich mich verheiratet und mit Kindern, in einem Haus lebend und als die beste, Kekse backende Mutter der Nachbarschaft.

Ob das nun ein Zeitplan war, den ich mir auf Basis idealisierter Erwartungen oder Erinnerungen an die Vergangenheit gegeben habe, oder ob es das war, was ich wirklich wollte – ich bin nicht sicher. Ich glaube, wir entwickeln uns als Menschen ständig weiter und werden zu uns selbst, und während das geschieht, verschwimmt ein wenig, was wir zu wollen glaubten (manchmal aus den falschen Gründen) und was wir wirklich wollen.

Wie viele andere Menschen liebe ich das Gefühl, verliebt zu sein. Ich liebe es, Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich verlieben. Ich liebe das Gefühl von Familie, das damit einhergeht, diesen “Menschen” zu haben.

Aber jetzt bin ich 31 und habe/bin noch nie…

  • ein echtes Date zu einer Hochzeit mitgenommen
  • ein echtes Date auf einer Hochzeit gewesen
  • mit einem Partner zusammengewohnt
  • heftige Streits gehabt, die zu leidenschaftlichen, liebevollen Versöhnungen führten
  • jemanden gehabt, mit dem ich meinen Arbeitstag im Detail besprechen konnte
  • mit einem Mann spontan nach der Arbeit etwas trinken gehen können, den ich nicht von Tinder habe und gerade erst kennenlerne
  • wirklich schwierige Gespräche gehabt und mich verletzlich geöffnet
  • als Erwachsene das Herz gebrochen bekommen
  • Kompromisse im Leben eingegangen, beispielsweise, wo ich Ostern und Weihnachten verbringe.

Und auch wenn ihr Ladies in einer Beziehung vielleicht denkt “Wow, was für ein Traum”, habe ich in der Realität keines dieser Dinge getan, weil ich nicht nur jetzt Single bin, sondern auch den Großteil der letzten acht Jahre Single war. Klar, ich hatte hier und da kleine Affären, aber nichts, was mir die volle Erfahrung einer festen Beziehung gegeben hat. Ihr wisst schon, Dinge wie Kompromisse und bedingungslose Unterstützung.

In diesen acht Jahren habe ich zugesehen, wie sich Freundinnen verliebten, heirateten und Kinder bekamen – und obwohl ich fest daran glaube, dass man dort ist, wo man sein soll, und alles aus gutem Grund geschieht, habe ich angefangen, mehr über mein Singledasein nachzudenken. Es gibt bei jeder Geschichte immer zwei Seiten, oder? Die gute und die schlechte.

Ich habe so viele Artikel und Bücher gelesen, die Singlefrauen bestärken, dazu zu stehen und warum es eigentlich total toll ist – das ist alles gut und schön, aber wenn du der Single bist, ist es nicht immer so glamourös.

Ich kann nicht leugnen, dass ich davon profitiert habe, Single zu sein:

  • Ich bin mit fast allen meiner besten Freundinnen an tolle Orte gereist (und auch allein!)
  • Ich mache ständig Dinge, die mir wichtig sind
  • Ich bin unabhängig und kann für mich selbst sorgen; ich mache liebend gerne Dinge allein
  • Meine Freundschaften sind zahlreich und tief
  • Ich halte mich für ziemlich ichbewusst 
  • Ich kann tun, was ich will und wann ich es will
  • Ich lebe die verstärkte Version von “Gönn dir was”
  • Ich verbringe meine Zeit damit, Neues zu lernen
  • Ich muss nicht um die Fernbedienung kämpfen.

Aber schlussendlich sind wir Menschen dazu gemacht, eng mit anderen Menschen verbunden zu sein. Wir sollen eigentlich Gefährten finden und uns verlieben. Es hat sogar Studien gegeben, die zeigen, dass die gesündesten Menschen diejenigen sind, die in Beziehungen sind.

Also seien wir ehrlich: Ja, Single zu sein kann toll sein, aber reden wir einmal darüber, warum es wirklich sauschwer ist, und wie ich gelernt habe, mit den Gefühlen dazu umzugehen, weil es mich manchmal wirklich traurig macht.

Ich frage mich: “Was ist mit mir los?”

Das ist für mich wahrscheinlich das Schwierigste. Ich denke immer, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich hatte schreckliche Dates, bei denen der Typ unhöflich war oder Erwartungen an mich hatte, zu denen ich nicht bereit war, und ich ging mit dem Gefühl aus dem Date, dass es an mir lag.

Ich hatte auch Dates mit wirklich tollen Typen – diejenigen, denen ich heute noch nachtrauere. Ich frage mich immer: “Wie konnte das passieren?” Hinterher sieht man immer klarer.

Und dann die Bemerkung, wenn du zu Ostern nach Hause fährst: “Warum bist DU nur Single?” Nicht hilfreich. “Danke, das habe ich mich die letzten acht Jahre auch gefragt.”

Ich schäme mich.

Es ist zum Kotzen, immer der Single zu sein, und wenn die Leute ihr Mitleid mit mir ausdrücken, dass ich “den Richtigen” nicht gefunden habe, ist das auch zum Kotzen.

Dating kostet Energie.

Dating kann wirklich Spaß machen… bis es das nicht mehr tut. Mit 31 nach “dem Richtigen” zu suchen, ist eine Aufgabe. Es bedeutet Online-Dating (nicht, dich jede Nacht im Bett einzurollen) und viele, viele Bars. So gerne ich auch ausgehe und gesellig bin, bin ich doch auch ein Gewohnheitstier. Ich liebe es, mich um jemanden zu kümmern und den Abend gemütlich zu Hause zu verbringen, aber das keine wirkliche Option, wenn du Single bist und eine Beziehung willst.

Es ist verwirrend.

Ich gehe zu vielen tollen Dates mit tollen Typen. Ich finde, ein erstes Date sollte ein recht einfaches sein – ihr lernt euch einfach kennen und es gibt viel zu erzählen. Aber wo ist die Grenze zwischen emotionaler und körperlicher Chemie?

Wie viel braucht man am Anfang? Was solltest du beim Online-Dating erwarten? Es ist schwer, deine Gefühle zu entschlüsseln, vor allem dann, wenn du anfängst, das Vertrauen in deinen Männergeschmack zu verlieren.

Unabhängigkeit.

Ich bin extrem unabhängig geworden. Ich habe Schwierigkeiten, mir von anderen Menschen helfen zu lassen oder sie um Hilfe zu bitten, und ich bürde mir oft zu viel auf. Zu dieser Unabhängigkeit gehört auch die Fähigkeit, zu tun, was ich will und wann ich will – was sowohl ein Segen als auch ein Fluch ist. Zu lernen, Kompromisse zu machen, ist eine Kunst, und manchmal habe ich Angst, dass ich diese Fähigkeit verloren habe.

Selbstliebe kommt nicht von allein.

Selbstliebe ist sogar wirklich schwer. Manchmal wünschst du dir, dass dich jemand am Abend in den Arm nimmt und dir sagt, dass alles gut wird. Du möchtest, dass jemand, den du liebst, dir sagt, dass diese Jeans dir gut stehen und dass du die Beförderung mehr verdienst als alle anderen. Als Single hast du dieses Sicherheitssystem und diese bedingungslose Liebe nicht, selbst wenn du die besten Freunde hast, also musst du daran arbeiten, es dir selbst aufzubauen, und manchmal liebt man sich einfach nicht.

Du hast für deine Freunde nicht Priorität.

Das ist nicht böse gemeint, aber die Wahrheit. Klar, du gehörst zu ihren Prioritäten, aber ihre Ehemänner, ihre Partner oder ihre Kinder haben höhere Priorität. Meine Freunde sind wirklich die BESTEN in Bezug darauf, sich Zeit mit Freunden ganz oben auf die To-Do-Liste zu setzen, aber es ist schwer, wenn sie keine Zeit haben und ihr die Wochenendabende Monate im Voraus planen müsst.

Einsamkeit.

Einsamkeit nimmt immer mehr zu, was ironisch ist, weil wir so digital vernetzt sind. Es besteht ein umgekehrtes Verhältnis zwischen Technologie und persönlichen, menschlichen Bindungen. Als Single bist du manchmal echt einsam und isoliert, und da ich mich nach etwas sehne, das sich so unerreichbar anfühlt, verstärkt das für mich die Gefühle der Einsamkeit, als ob es nie passieren wird.

Du wirst vorsichtig.

Hat dich schon einmal jemand geghostet? Mich schon. Ghosting ist mir in jeder Phase des Dating-Prozesses passiert und peinlicherweise muss ich sagen, dass auch ich jemanden geghostet habe. In den letzten zwei Jahren habe ich mir vorgenommen, offener und ehrlicher mit den Menschen zu sein, mit denen ich mich treffe – egal, ob es nur ein Date ist oder fünf. Wir sind Menschen und verdienen es, mit Respekt behandelt zu werden.

Es tut weh, zu denken, dass jemand deine Gefühle erwidern könnte, und dann hörst du nie wieder etwas von ihm (und es ist beängstigend, wenn man bedenkt, dass du jemanden anderen verletzen könntest!) Mit der Zeit stumpfen wir natürlich etwas abgestumpft von der Dating-Szene, und es wird noch schwieriger, sich verwundbar zu zeigen, loszulassen und Spaß zu haben, und körperliche Nähe zuzulassen.

Also, Single Ladies: Wie gehen wir mit den schwierigen Gefühlen um, die das Single-Dasein mit sich bringt? Wenn alle sagen, dass es passiert, wenn man es am wenigsten erwartet, wie hören wir dann auf zu hoffen, dass wir beim nächsten Besuch im Supermarkt mit unserem Einkaufswagen auf “den Richtigen” stoßen?

Es ist nicht einfach, und ich bin mit Sicherheit noch nicht so weit – wir lernen zusammen. Für mich bedeutete es viel Selbstreflexion: Bücher zu lesen, mich aus meinem Wohlfühlbereich herauszuwagen und meine Erwartungen ein wenig herunterzuschrauben. Ich weiß, dass es nach viel Arbeit aussieht, aber so wie auch Beziehungen viel Arbeit sind, kann es auch viel Arbeit sein, den Richtigen zu finden.

Und da wir gerade einen Präzedenzfall für Ehrlichkeit, Wahrheit und Verletzlichkeit schaffen – ja, ich will eine Beziehung. Ich will das Gute und das Schlechte, und ich will die Liebe, die Streits und die Kompromisse. Und weißt du was? Ja, ich will immer noch die coole, Kekse backende Mama sein.

Aber es gibt noch eine letzten Vorteil: Ich denke, dass ich jetzt eine noch bessere coole, Kekse backende Mutter und Ehefrau sein kann – weil ich mich kenne und mich mag. Ich weiß, dass keine Beziehung perfekt ist und niemand perfekt ist, aber ich hoffe, dass mit der Zeit und der Reflexion der richtige Mensch in mein Leben kommt.