Ich leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung – Verstehe mich, liebe mich, hilf mir!

Ich leide an Depressionen. Ich weiß genau, wie frustrierend es ist, wenn einem ständig gesagt wird, man solle immer nur positiv denken, richtig essen, mehr trainieren, im Wald spazieren gehen und sich so oft wie möglich mit optimistischen Menschen umgeben. 

Jeder, der das zu mir sagte, hatte im Grunde genommen die besten Absichten. Sie wollten mir helfen, aber sie wussten nicht, wie es ist und dass das Sagen der Dinge, die ich bereits wusste, mir überhaupt nicht half.

Ich war immer ein aktives, fröhliches Mädchen. Ich lächelte immer, und oft war mein Lachen so ansteckend, dass die Leute mit mir lachten. Ich glaubte immer an das Gute in Menschen und fand Schönheit in den kleinsten Dingen.

Jedoch wurde meine sprudelnde Persönlichkeit verdunkelt, weil ich mit Depressionen kämpfte, die von Zeit zu Zeit geschahen, aber sie hatten mich jedes Mal fest im Griff.

Der Begriff für meinen Zustand heißt rezidivierende depressive Störung, und wenn jemand darunter leidet, ist es wichtig, zuerst die Auslöser zu verstehen, die für jeden Menschen einzigartig sind.

Im Wesentlichen können die gleichen Lebensereignisse, die eine erste depressive Episode ausgelöst haben, mögliche Auslöser für zukünftige Episoden sein. Dazu gehören Arbeitsplatzverlust, Scheidung, ein Todesfall in der Familie oder andere traumatische Verluste.

Selbst einige große positive Veränderungen, die Störungen und Veränderungen in unserer Rolle und Identität verursachen, können ein Risiko darstellen, so kommt es beispielsweise zu einer postpartalen Depression. Es kann sogar eine Jobförderung sein, bei der wir uns nicht ausreichend vorbereitet fühlen und übermäßigen Stress verursachen.

Eine körperliche Krankheit oder Verletzung kann auch einen Rückfall auslösen.

Was mich betrifft, so waren meine Auslöser normalerweise kalte, regnerische Tage, die Gefühle von Traurigkeit und Verlust in meinem Herzen hervorriefen.

Auch die entfremdete Beziehung zu meinem Vater machte mich unsicher um andere herum, was mich dazu brachte, mich zu distanzieren und zu isolieren. Dies verschlimmerte meine Depression nur weiter.

Außerdem liegt die Depression in meiner Familie, mütterlicherseits. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Mutter tagelang nicht aufstehen konnte, als ich aufwuchs. Ich wollte nie so sein wie sie, aber irgendwie bin ich es jetzt.

Es gibt Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, dass etwas in mich und in mein ganzes Wesen eindringt. Ich werde ängstlich und fürchte mich vor allem. Ich will mich nur in meinem Schlafzimmer einschließen und den Raum nie verlassen.

Ich leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung – Verstehe mich, liebe mich, hilf mir!

Ich verliere all das Glück in mir. Ich kämpfe darum, aus dem Bett zu steigen und zur Arbeit zu gehen, und wenn ich nach Hause komme, gehe ich sofort schlafen und isoliere mich von allem und jedem.

Ich hasse das hier. Ich hasse es, nicht die Kontrolle über mein Leben zu haben und Menschen zu verlieren, die mir am wichtigsten sind.

Denn wie können andere verstehen, was ich durchgemacht habe? Wie können sie sich in mich hineinversetzen in etwas, das sie noch nie erlebt haben?

Deshalb habe ich mir eine Geschichte ausgedacht, damit ich dir helfen kann, mich zu verstehen. Und hier ist die Geschichte …

„Stell dir vor, die Böden in deinem Haus wären mit unglaublich schönen Teppichen bedeckt. Wenn du über sie gehst, fühlst du dich großartig. Du lernst jede einzelne Unvollkommenheit kennen, die sie haben und immer noch lieben.

Es gibt jedoch einen Trick. Manchmal gibt es Energien in deinem Haus, die ein großes Loch graben können, in das du leicht fallen kannst. Das Loch ist unter den Teppichen versteckt und man kann es nicht sehen.

Wenn du also frei um dein Loch herumläufst, wirst du schließlich fallen. Und wenn du fällst, werden all die schrecklichen Gefühle von Versagen, Scham, Schuld und Angst auftauchen, die es dir extrem schwer machen, auszusteigen.

Dann stell dir vor, wie du dich fühlen würdest, wenn du wüsstest, dass du nicht ausziehen kannst, da es dein Zuhause ist. Du kannst nirgendwo sonst hin. Du kannst auch die Teppiche nicht wegwerfen, da sie mit deinem Haus kamen. Du fängst an, in ständiger Angst und Vorsicht zu leben, da du nicht weißt, wann du wieder ins Loch fallen wirst.

Du weißt, dass du irgendwann rauskommst, weil du es immer tust, aber du weißt auch, dass du wieder fallen wirst, weil diese Kämpfe und Fallstricke nicht unter deiner Kontrolle sind.“

So fühle ich mich, und ich nehme an, so fühlen sich viele andere, die an einer wiederkehrenden Depression leiden. Sie lernen einfach, mit ihrem Zustand zu leben.

Wenn du dich fragst, wie du mir, und anderen, in dieser Situation helfen kannst, dann ist das meine Antwort:

Umarme mich. Sag mir, dass ich dir wichtig bin.

Diese einfachen Worte können so viel bedeuten, wenn man das Gefühl hat, dass die ganze Welt gegen dich ist.

Sag mir, dass du für mich da bist.

Wenn man unter Depressionen leidet, kann es sich so anfühlen, als ob niemand versteht, oder sich überhaupt darum kümmert, was du fühlst, oder wie isolierend und überwältigend es sein kann.

Es ist sehr beruhigend, zu wissen, dass du bei jedem Schritt des Weges dabei sein wirst.

Du weißt vielleicht nicht ganz, wie das anfangs aussehen wird, aber es kann die Welt bedeuten, mich nur daran zu erinnern, dass du jemand bist, auf den ich mich stützen kann.

Frage mich, ob es etwas gibt, was du tun kannst, um mir zu helfen?

Depressionen sind schwer zu ertragen, sowohl körperlich als auch geistig.

Vermutlich werde ich zögern, dein Angebot anzunehmen, aus Angst, eine Last für dich zu werden, also mach es klar, dass es dir nichts ausmacht und du auf die gleiche Weise helfen willst, wie du weißt, dass ich es für dich in einer ähnlichen Situation tun würde.

Vielleicht bin ich auch so müde und niedergeschlagen, dass ich nicht einmal weiß, um welche Art von Hilfe ich bitten soll. Zeige mir aber durch Vorschläge, dass du wirklich bereit bist mir zu helfen.

Frag mich, ob ich jemanden brauche, mit dem ich reden kann.

Manchmal brauche ich nichts weiter, als einen Freund, der einfach nur mitfühlend zuhört, und es mir erlaubt, den Druck von den aufgestauten Gefühlen zu verringern. Es hilft mir diese emotionalen Schmerzen erträglicher zu machen.

Ich weiß, du würdest mir gerne Vieles sagen, Lösungen vorschlagen und die Dinge in Ordnung bringen, aber was ich wirklich brauche, und was mir wirklich in diesen Momenten helfen kann, ist, einfach nur zu reden und gehört zu werden.

Sag mir, dass mein Leben einen Unterschied für dich macht.

Wenn ich depressiv bin, habe ich das Gefühl, dass mein Leben keine Rolle spielt und es niemanden kümmern würde, wenn ich weg wäre. Erinnere mich daran, dass ich ein wichtiger Teil deines Lebens bin.

Sag mir, dass du mich verstehst, wenn du es tatsächlich tust.

Auch wenn du selbst unter Depressionen gelitten hast, es gibt so viele verschiedene Arten von Depressionen. Es mag völlig unterschiedlich gewesen sein.

Es kann weh tun, indem du meine Depression mit deiner vergleichst. Gib es einfach zu, dass du nicht genau verstehst, was ich durchmache, aber dass du es versuchen möchtest zu verstehen.

Sag mir, dass es okay ist, sich so zu fühlen.

Auch wenn meine Probleme für dich vielleicht nur geringfügig erscheinen, bitte urteile nicht und widersetze dich dem Drang Lösungen zu finden.

Die biochemischen Ungleichgewichte, die mit Depressionen verbunden sind – nicht über die Situationen selbst – sind das, was dazu beiträgt, wie schlecht ich mich über bestimmte Situationen fühle. 

Ich leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung – Verstehe mich, liebe mich, hilf mir!

Wenn du jemanden liebst, der diese Art von Depressionen erlebt, kannst du ihm helfen, indem du dein Bestes tust, um ihm einfach zuzuhören und zu versuchen, ihn zu verstehen. Du kannst ihnen helfen, indem du sie nicht verurteilst und sie durch ihre depressiven Episoden unterstützt.

Und sei freundlich und liebevoll. Immer.

21 Kommentare

  1. Hut ab ! Ich hätte es nicht besser formulieren können, denn du triffst den Nagel absolut auf den Punkt… so gehts mir seit Jahren, seit der Diagnose unheilbar und irgendwann tödlich endet krank zu sein 2012…ich wusste nie wie ich meinen Freunden beschreiben oder erklären sollte wie sich das anfühlt… Danke ♡

  2. Das Beste was ich jehe über eine Depression gelesen habe.
    Die Beschreibung des Zustandes ist sehr zutreffend. Die Vorschläge wie man helfen kann sind 100 % effektiv. Leider sind nur die wenigen Menschen bereit Empathie Verständnis und Mitgefühl zu zeigen. Da trifft man eher auf Mitleid Schadensfreude und unendliche Vorträge……..leider.
    Ich will (möchte!) bitte das Ganze im Buch verpackt!….

  3. Diese Worte sind mir aus der Seele gesprochen. Ich leide unter der gleichen Krankheit mit dem Unterschied, dass die guten Phasen kurz und die schlechten lang sind.
    Die Reaktionen im Umfeld sind unterschiedlich. Ich wünsche dir aber eine verständnisvolle Beziehung wie ich sie habe. Mein Mann versteht mich zwar nicht immer, ist aber immer für mich da. Alles Liebe von mir
    Juju

  4. Schöner Text! Genau das ist es was Menschen brauchen die unter einer Depression leiden. Den Fokus auf sie selbst legen, nicht auf die Krankheit „Depression“. Das ist nur ein Teil von ihnen. Liebe Akzeptanz… es ist wie mit allem weshalb sich Menschen anders fühlen: Behinderungen, psych./phys.krankheiten, anderes aussehen/ nationalität/ sexuelle Orientierung. Jeder soll als Mensch wahrgenommen werden, als die Person die er ist und gerade leidende Personen brauchen die liebe und Akzeptanz und das Ernstgenommenwerden anderer Menschen umso mehr und keine „Reduktion auf ihre „andersartigkeit“.
    Also : Wahrnehmen als Person, statt nur wahrnehmen der -in diesem Fall Krankheit“.
    Trotzdem- natürlich auch das Thema aufgreifen wenn die Person Redebedarf hat und ein offenes Ohr braucht. Reden hilft sehr, es befreit und gibt das Gefühl verstanden zu werden. 🙂 ein offener Umgang und auf keinen Fall Tabuisieren oder Ablenken ist genau so wichtig wie dass man die Person als Ganzes wahrnimmt.
    Hoffe ich konnte mich ganz gut ausdrücken… der Artikel hat mir jedenfalls sehr gut gefallen da er gute Aufklärungsarbeit leistet :-).
    Liebe Grüsse und schönes Wochenende!
    Sarah

  5. Das ist so treffend beschrieben. 😿😿
    Ich denke viel darüber nach, wie ich meinem Umfeld erklären kann, was in mir vorgeht. Es ist eine Krankheit die unglaublich viel in meinem Denken anrichtet.
    Oft machen mir die Gedanken und Gefühle trotz der „richtigen Dinge“ die ich mache zu schaffen und oft sieht es mir keiner an.
    Viel Kraft und Geduld in welcher Phase du auch gerade sein magst.

  6. Hallo, ich kenne diese Art von Depressionen. Es kann seelisch sein, wenn man aber das Gefühl hat, jedes mal kommt etwas in einen, dann kann es auch geistlich sein. Was auch immer es ist, Jesus sagt: kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch Ruhe geben..
    Gott hat dich erschaffen und er weiß Dinge über uns die wir nicht wissen. Wenn man sich an Jesus wendet so wie es in der Bibel steht, kann er einen freimachen. Er ist auferstanden, er lebt und er liebt dich. Ja, Gott selbst er liebt dich und will dich befreien aus diesem Zustand!
    Wer

  7. Das ist das Beste was ich je gelesen habe. Alles ist zu 100% war und sehr gut erklärt.
    Dahinter steckt sicherlich sehr viel Mut.

  8. Ich kenne Dich nicht, aber wenn die Worte dieses Artikels tatsächlich Dich persönlich betreffen, dann möchte ich Dir ausdrücklich sagen : JA !! ICH FREUE MICH ÜBER DICH !! DANKE, DASS ES DICH GIBT ! Danke für Deinen Bericht — teilweise kenne ich diese Emotionen und Gedanken. Wie eine zu flach verwurzelte Blume brauche ich in ziemlich kurzen Abständen Wasser in Form einer Bestätigung, immer noch geliebt zu werden. Sonst bin ich traurig und verdurste. Dafür gebe ich für mein Leben gern Anerkennung, Lob und Zuneigung Menschen in meinem Umfeld oder auch fremden, die relativ selbstlos arbeiten. Liebe verbreiten und erhalten, Liebe (ver)teilen — welchen Sinn hat sonst das Leben ? Welcher Weg soll sonst glücklich machen können ?
    Liebe Grüße an DICH 🙂
    Wann immer Du möchtest, sei innig umarmt von mir !

  9. Ein wunderbar geschriebener Artikel, bei dem ich mich in vielen Sachen wiederfinde.
    Die Gefühle und Gedanken sind sehr treffend formuliert. Besonders der Satz “Ich wollte nie so sein wie sie, aber irgendwie bin ich es jetzt.“ hat mich sehr getroffen, da dass auch genau immer meine Angst war und ist und ich mich in immer mehr Momenten in den Erinnerungen an sie sehe (Meine Mutter ist vor 2,5 Jahren gestorben).

    Danke dir für diesen wunderbaren Beitrag den hoffentlich viele Menschen aufmerksam lesen. Ich bin mir sicher, dass du mit solchen berichten vielen Betroffenen und Angehörigen helfen kannst.

  10. …sehr wahre und für mich berührende Worte….ich fühle mit Dir, denn meine Geschichte ist sehr ähnlich, ich verstehe Dich sehr gut und dieser Text berührt mich sehr, das ist die Wahrheit..wenn mich mal wieder jemand nicht versteht und ich keine Lust habe, keine Kraft habe, mich zu erklären, mich unverstanden fühle etc, dann ist dieser Text ein großes Geschenk und eine Hilfe, zum Lesen für diejenigen, die mich verurteilen oder schlecht denken oder reden.

  11. Man diagnostizierte schon so Vieles bei mir.Endogene Depression,neurotische..manisch depressiv,bipolar ect.Ich lese hier viele toll bechriebene Zeilen.Danke dafür.In meinem Kopf ist so viel los.Hätte schon vor 30 Jahren von meinem Erlebten ein Buch schreiben können.Letztes Jahr erkrankte ich an Brustkrebs.Op’s Chemo Bestrahlungen….was ich da durchlebte,auch mit Ärzten….Vielleicht fange ich jetzt an,ein,mein Buch zu schreiben. Seitenzahl???…Unbegrenzt!!!

  12. Hallo deine Geschichte hat mich sehr bewegt. Ich kann das gut nachvollziehen ich habe eine lange schwere Krankheits Geschichte. Angefangen mit Depressionen und Antriebslosigkeit. Ich gab mir damals die Schuld. Dann bekam ich sogar Verfolgungswahn. Geschlossene Psychiatrie Diagnose paranoide Schizophrenie. Durch die Medikamente fühlte ich mich von meiner Gefühlswelt abgeschnitten deshalb setzte ich wieder ab. Und dann der nächste Schub wieder geschlossene Psychiatrie das ging fünf Jahre so. Durch Zufall lernte ich einen sehr einfühlsamen und liebevollen Mann kennen der sich nicht an mich es gemacht hat sondern wir haben einfach geredet. Er war selbstständig kam jeden Abend nach der Arbeit zu mir. Heute bin ich glücklich verheiratet habe 3 Kinder nehme seit 5Jahren keine Antipsychotika mehr. Ich wünsche dir Mut damit du deine Ängste besiegst Zuversicht Hoffnung und vor allem ein Ziel. Gib niemals auf zu kämpfen.

  13. Ich leide auch seit Jahren unter dieser Form der Depression mal habe ich gute Phasen aber es darf nichts schief gehen dann kommt diese Hilflosigkeit

  14. Liebe Autorin,

    in meinem Kommentar werde ich mit einem „Du“ auf dich zugehen, denn ich verstehe dich und ich hoffe, dass ich dir auf gewisse Weise ein Wegweiser sein kann.

    Zu allererst möchte ich deinen Mut loben über deine Gefühle zu sprechen und dies alles sogar online zu posten. Das ist ein guter Schritt gewesen.

    Ich möchte aber auch kurz von meinen Erfahrungen mit Depressionen berichten.
    Es begann nicht irgendwann. Depressionen sind keine Krankheit, die einfach kommt und geht. Depressionen sind die Erscheinung, die durch fehlerhafte oder unpassende Denkstrukturen entstehen. So spielt schon die Kindheit bei mir eine Rolle. Ich hatte nie wirkliche Freunde und wurde auch eher einmal in der Schule angefeindet oder gar gemobbt. Dadurch entwickelten sich Denkstrukturen, sodass ich z.B. kein Selbstvertrauen hatte.
    Später kam noch der Schulstress hinzu und auch der Stress im Nebenjob als Student war nichts für mich.
    Dann starb meine Oma vor einem Jahr. Da war es endgültig vorbei. Ich bekam einen Kloß im Hals nach der Beerdigung und heulte ohne Grund aus dem nichts einfach los. Ich beschäftigte mich nur noch damit nicht zu weinen und damit mich irgendwie abzulenken. Aber ich sah überall nur noch schwarz. Wenn eine Eltern einkaufen fuhren, dann weinte ich, weil ich mir vorstellte sie würden bei einem Unfall sterben. Als mein kleiner Bruder Schnupfen bekam, weil es nun einmal Winter war, weinte ich, weil ich mir ausmalte, dass er dadurch eine Lungenentzündung bekommen würde und im Krankenhaus sterben würde. Es kamen derbe Selbstmordgedanken hinzu und es schien immer schlimmer zu werden.

    So ging das einen Monat. Und mir wurde klar, dass ich selber daran dachte. Es war niemand da, der mich in solchen Momenten dazu brachte, denn ich war alleine. Also lag das Problem darin wie ich selber über Dinge nachdachte. Nachdenken tut der Mensch mit Mustern, die je nach Mensch unterschiedlich sind.
    Also fing ich an umzudenken. Jedes Mal, wenn ein negativer Gedanke kam, stoppte ich ihn, indem ich darüber lachte. Ich schüttelte den Kopf und sagte zu mir immer ironisch wie doof ich doch sei. Ich versuchte anders über das Negative in dem Moment zu denken.

    Mit der Zeit lernte ich auch anders über die Welt zu denken. Ich passte meine Denkmuster meiner wahren Natur an. Ich trat mir also selber kräftig in den Hintern auch wenn ich antriebslos war. Ich wusste, dass es mir zwar im Jetzt nicht gut ging, aber ich vertraute in etwas, ein tiefes Wissen in mir, das mir sagte, dass ich bald zurückblicken werde und darüber lachen kann. Du kannst auch an Gott glauben, aber habe vertrauen in etwas und vor allem in dich!

    Also machte ich weiter und innerhalb des selben Jahres baute ich meine Denkstrukturen um und tue dies immer noch.
    Man kann auch sagen, man erweitert seinen Horizont bzw. sein Bewusstsein. Das ist aber genau das was uns niemand beibringt. Unser Bewusstsein zu erweitern ist eine Lebensaufgabe und es macht jedes Mal Freude, wenn man merkt, dass man in bestimmten Situationen sein eigener Herr (oder Frau) ist, obwohl man vor einiger Zeit noch Angst, Wut, Trauer, etc. empfunden hat.

    Nur du kannst dir selber helfen. Andere können dir den Weg zeigen und dich unterstützen, aber du musst ihn aus eigener Kraft gehen.
    Also, lerne alles anders zu sehen und ich verspreche dir, dass du keine Depressionen mehr haben wirst, aber sie werden auch nie wurklich verschwinden, denn sie sind deine Vergangenheit und deine Erfahrung aus denen du lernen kannst.
    Krankheit bedeutet Ungleichgewicht und genau das ist nichts was wirklich starr ist. Es ist dynamisch, denn da wo ein Ungleichgewicht ist, war vorher ein Gleichgewicht, denn woran sonst kann man festlegen, dass irgendwo kein Gleichgewicht mehr ist, wenn von Anfang an ein Ungleichgewicht dort war?

    Positiv zu denken ist oft nur ein doofer Spruch, aber dann hast du es ganz sicher noch nicht ausprobiert und du bist sicher nicht ausdauernd darin gewesen. Denn genau das ist ein möglicher erster Schritt um die Denkstrukturen umzubauen.

    Ich wünsche dir alles gute auf deinem Weg.

  15. Lieber Schreiber,
    vielen Dank! Durch diesen Beitrag fühle ich mich verstanden. Genau so erlebe ich meine Depressionen. Hilf mir,.mir nicht das Leben zu nehmen. Indem du einfach da bist und etwa für mich tust,
    das ich jetzt nicht mehr schaffe. Post aus dem Briefkasten holen, ein Brot kaufen. Da sein. Da sein. Stellvertretend für mich glauben, dass es vorbei geht.
    Ich glaube dies nämlich nicht mehr. Der Tod scheint in der Depression die einzige Lösung.
    LG
    H.

  16. Hallo
    Was in diesem Artikel geschrieben ist kenne ich zu gut….Tage an denen ich nicht meine Wohnung verlassen möchte weil ich denke man sieht es mir an.

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