Lies das, wenn der Schmerz dich wach hält

Hey du, lies das, wenn der Schmerz dich wach hält.

Ja, du. Die Person, die um 2 Uhr morgens unter der Bettdecke auf ihr Handy starrt; um 8 Uhr auf dem Weg zur Arbeit; um 12 Uhr in der Mittagspause; auch während du versuchst, 5K auf dem Laufband zu schaffen oder eine Pause vom Schreiben deiner Kursarbeit zu machen. Ich rede mit dir, so wie ich mit mir selbst rede.

Es wird besser werden. Es fühlt sich zwar nicht gerade so an, aber das wird es.

An dieser Stelle wirst du wahrscheinlich zurückschrecken oder die Augen verdrehen; ich kann doch nicht wissen, was bei dir – in deinem Kopf, in deinem Leben – vor sich geht…. In gewisser Weise hast du auch Recht. Ich kenne die Einzelheiten deiner Situation nicht. Ich kenne dich nicht. Kaum weiß ich, was in meinem Leben vor sich geht. Zum Teufel noch mal – keiner dieser Ratschläge wird letztendlich helfen und du wirst dein Handy mit Abscheu abwerfen, weil du auf den Titel dieses Artikels geklickt hast.

Doch mit ziemlicher Sicherheit weiss ich, dass du Schmerzen hast. Es nagt an deinem Bauch und deinem Hals, hinter deinen Zähnen oder tief in deinem Gehirn. Es lässt dich den Asphalt zertrümmern, bis deine Füße Blasen bekommen; es hält dich wach und unruhig, es erstickt dich – genauso wie es mich tat.

Ich weiß genau was bei dir abgeht. Ich war auch mal dort. Die Schmerzen hören nicht auf, sie verändern nur die Form. Bei mir ist es manchmal Herzschmerz. Manchmal ist es die Sorge um meine Familie. Manchmal wendet sich mein eigener Körper gegen mich und lässt mich schreien und jammern wie ein Tier, das nicht einmal die sanfteste Berührung ertragen kann. Die einzige Konstante ist, dass der Schmerz schließlich nachlässt.

Und wenn du so bist wie ich, dann verdrehst du deine Augen so sehr, dass sie dir aus dem Kopf fallen könnten. Auch das soll auch vorbeigehen? Wirklich? Leere Phrasen, ohne Bedeutung.

Ich war auch dort. Bin gerade jetzt da. Objektiv gesehen wache ich immer noch jeden Tag in Verzweiflung auf, in der Überzeugung, dass ich in einem Teufelskreis gefangen bin, der dazu bestimmt ist, die gleichen Fehler immer und immer wieder zu wiederholen.

Die Leute sagen manchmal: „Warum bist du so verärgert über X? So schlimm ist es doch gar nicht.“ Und was sie nicht verstehen, ist, wie eine kleine Sache (oder mehrere große Sachen zusammen) dich wieder in die Vergangenheit schicken kann, wie sie dich dazu bringen kann, deine Lebensgeschichte zu betrachten.

Wenn wir abgelehnt oder verletzt werden oder wenn unsere Schmerzen aufflammen, denken wir: „Das beweist, dass ich wertlos bin, das beweist, dass es mir nie gut gehen wird, das beweist, dass ich nie etwas Besseres sein werde.“

Das stimmt nicht – aber es fühlt sich leider so an, und manchmal fühlt man sich durch diese Verzweiflung gefangen.

Und hier bin ich jetzt: Ich schaue mir die Einzelheiten meiner Lebensgeschichte genau an, versuche mich so gut wie möglich abzulenken, bis das Schlimmste wieder vorbei ist. Nicht um mich selbst zu beruhigen, sondern um mir selbst zu helfen, diese Dinge zu verstehen. Aus diesen Gründen ist es diesmal anders. So habe ich mich verändert. Ich entferne mich von der Panik, bis ich wieder frei atmen kann.

„Ich erlebe immer wieder das Selbe. Ich weiß genau, was passieren wird. Ich weiß, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Ich habe Stützen angebracht. Ich kann es aushalten. Ich weiß, wen ich um Hilfe rufen muss.“

„Ich bin traurig. Ich bin untröstlich. Es ist normal, sich so zu fühlen. Ruf sie nicht an, lass sie gehen. Du möchtest sowieso nicht mit ihnen zusammen sein – warte auf eine Person, die dich wieder zum Leben erweckt.“

„Im Moment hat deine Familie eine Menge Sorgen.“ Du kannst zwar nicht alles für sie in Ordnung bringen, aber du kannst da sein, um sie zu unterstützen. Achte nur darauf, dass du auch gesund und glücklich bist. Sorg dafür, dass du auch jemanden hast, der dir zuhört.“

Vielleicht funktioniert nichts davon für dich. Vielleicht sind die Einzelheiten deiner Situation oder deiner früheren Schmerzen im Moment zu viel für dich – und du kannst sie dir nicht ansehen. Das ist in Ordnung. Das musst du nicht.

Aber bitte, komm gut durch diese Nacht.

Geh stark durch den nächsten Tag.

Und die Tage danach.

Lass deine Freunde oder Familie dir helfen. Wähle eine kostenlose Nummer. Finde eine Gruppe im Internet…  Ein anderer soll dir eine Weile zuhören. Lass sie dir die Last abnehmen, wenn auch nur vorübergehend.

Warte solange, bis es vorbei ist. Wie die Leute gern sagen: „Der Schmerz ist unvermeidlich. Das Leiden ist freiwillig.“