Warum modernes Dating mich zur Verzweiflung treibt

Als Singlefrau lebe ich quasi mitten in der modernen Abschleppkultur – die Kunst perfektionieren, den richtigen Typen dazu zu bringen, dir an der Bar einen Drink zu spendieren, die perfekte Antwort auf einen Text komponieren, um gerade interessiert genug zu wirken, sich die angemessenen fünf Sekunden Zeit nehmen, um jemanden ausreichend zu beurteilen und zu entscheiden, ob ich auf Tinder rechts oder links wische.

Das ist die Welt, in der ich jetzt lebe, und ich muss gestehen: Ich hasse es mit jeder Faser meines Daseins.

Vielleicht liegt es daran, dass ich weit länger in meinem Kopf über unwichtige Ereignisse nachgrüble, als ich sollte. Oder vielleicht liegt es daran, dass ich zu empfindlich auf die Menschen reagiere, mit denen ich die Welt teile.

Oder vielleicht ist die moderne Datingszene einfach furchtbar kaputt. Wahrscheinlich liegt es an allen drei Sachen, aber im Interesse deines, ha, Interesses wollen wir einmal nur über die dritte Feststellung reden.

Während ich in einer Beziehung war, hörte ich ständig Menschen über das Singleleben klagen. Geschichten meiner Freunde, Internetartikel, alles, was gerade im Fernsehen beliebt ist – es ist überall.

Aber erst, als ich begann, es am eigenen Leibe zu erfahren, verstand ich wirklich, worüber sich alle beschwerten. Alles ist so verdammt kompliziert. 

Keiner lädt dich zu einem Date ein, alle laden dich nur zum Abhängen ein – und nachher kannst du die nächsten drei Tage, die du sie geflissentlich ignorieren sollst, damit verbringen, dich zu fragen, was es genau bedeutet hat.

Habt ihr einen Film geguckt? Seid ihr essen gegangen? Habt Sex in deinem Auto gehab? Seid nach Paris geflogen und habt euch unter dem Eiffelturm betrunken? Vorsichtig, ihr beide habt nur abgehangen. Ganz unverbindlich, stimmt‘s? Ich weiß es nicht; ich frage mich, was er so denkt.

Was hat ihm unser Sex im Auto bedeutet? Ich habe eine einfache Lösung für die unter euch, die mit solch quälenden Fragen kämpfen: Frage den anderen. Ach warte, das geht nicht. Hahaha. Und hier kommt auch schon, warum das so ist.

Wir leben in einer Welt, in der Menschen Angst haben, irgendetwas Echtes zu empfinden – oder haben zumindest Angst, es zu zeigen.

Wenn jemand wütend auf dich ist, gibt es keinen Anruf, um darüber zu sprechen. Stattdessen bekommst du eine passiv-aggressive Antwort auf einen Text oder einen verdächtig relevanten Tweet, der dich still und leise in 140 Zeichen oder weniger herausfordert.

Wenn du jemanden magst, sagst du ihm nicht, was du fühlst; stattdessen verhältst du dich gerade interessiert genug, dass der andere es mitbekommt – aber nicht genug, dass es ihn verschreckt.

Gefällt dir nicht? Tja.

Es ist alles ein einziges Spiel, und wenn du nicht nach den Regeln spielst, verlierst du – und wenn du verlierst, bleibst du allein und unter einem Haufen deiner eigenen Unsicherheiten zurück, dich fragend, was du falsch gemacht hast.

Nicht zwei Abende hintereinander abhängen. Wenn du den letzten Text geschickt hast, musst du jetzt warten, bis er wieder schreibt. Nicht zweimal texten. Du kannst nicht annehmen, dass es mehr als etwas Unverbindliches ist, selbst wenn ihr Sex habt.

Aber du darfst es auch nicht ansprechen. Wenn du dich fragst, wo die Beziehung hinführen soll und dich entschließt, es anzusprechen, muss jedes Wort so sorgfältig ausgewählt werden, dass du so scheinst, als ob dir jede Antwort recht ist, selbst wenn das nicht stimmt. Alles wird über Text gemacht.

In der modernen Welt wirkt es seltsam, jemanden anzurufen, nur um sich zu unterhalten oder Pläne zu machen, also sind wir gezwungen, unruhig auf eine Antwort zu warten, die vielleicht niemals kommt.

Alles ist so kalkuliert, dass es gedankenlos erscheint, und das ist eines der ermüdendsten Spiele, die ich je spielen musste. Ich könnte meinen Masterabschluss mit der Zeit und Energie machen, die dafür benötigt wird zu bestimmen, ob mein unverbindlicher Flirt Gefühle für mich hat oder nicht.

Wenn ich jemanden mag, will ich mit ihm Zeit verbringen. So einfach ist das. Oder sollte es zumindest sein. Aber in der Datingkultur, der wir uns versklavt haben, muss es natürlich komplizierter sein. Wenn ich zu viel mit ihm rede, bin ich bedürftig.

Wenn ich immer Zeit habe, wenn er mich fragt, bin ich anhänglich und habe kein eigenes Leben.

Wenn er drei Stunden braucht, um auf meinen Text zu antworten und ich habe mein Handy in der Hand, wenn seine Antwort kommt, muss ich mit dem Antworten warten, damit ich nicht übereifrig wirke. Und ich frage mich ständig, warum ich diese dummen Spiele mitmache.

Warum kann ich jemanden nicht anrufen, weil ich gerne mit ihm rede? Warum macht es mich bedürftig, zu zeigen, dass er mir etwas bedeutet?

Wenn ich wütend reagiere, wenn ein Mann mich ignoriert, bin ich nur eine verrückte Ziege, also ist meine einzige andere Option, mich bei meinen Freunden zu beschweren und unruhig zu warten, bis er mir endlich antwortet.

Und ich kann dir sagen: So will ich gar nicht sein. Ich will nicht, dass irgendjemand diese Art von Macht über mich hat. Niemand sollte diese Art von Macht über irgendjemanden haben.

Ich bin es so satt, in einer Welt zu leben, in der Apathie eine effektivere Methode als Ehrlichkeit ist, um jemandes Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich bin die manipulativen Spiele leid, die Männer und Frauen miteinander spielen im Versuch, die Kontrolle in einer Beziehung zu behalten, die wir nicht definieren dürfen.

Hier ist also mein Vorschlag: Hören wir alle einmal auf, kleine Arschlöcher zu sein. Respektieren wir andere Menschen genug, um ihnen die Wahrheit zu sahen. Wenn jemand dich glücklich macht, sag es ihm.

Wenn dich jemand inspiriert, sag es ihm. Wenn du nicht an jemandem interessiert bist, sag es ihm bitte einfach. Ignoriere Menschen nicht, bis sie verschwinden.

Es ist Zeit, dass wir erwachsen werden und aufhören, Menschen mit unbeantworteten Texten und kryptischen Nachrichten auf sozialen Medien hängen zu lassen.

Wir alle sind menschlich und versuchen nur, einander in dieser chaotischen Welt des Datings zu verstehen, also hören wir auf, eine Beziehung jeder Art als eine Herausforderung anzusehen, die wir gewinnen müssen.

Sei ehrlich mit anderen Menschen, was du fühlst und verliere dich nicht so in dem Spiel, dass du vergisst, dir selbst den gleichen Gefallen zu erweisen.

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