Alles, was ich wünschte, dass ich es der anderen Frau sagen könnte

Während der letzten vier quälenden Wochen meines Lebens (und in meinen vielen Momenten des Verdachts vor zwei Jahren) habe ich mir ausgemalt, dich zu konfrontieren.

Ich habe davon geträumt, zu deiner Haustür zu marschieren, deine Lügen offenzulegen, dein Leben zu zerstören und zuzusehen, wie deine Ehe bis zum Erdboden herunterbrennt, als Rache dafür, dass du mich gezwungen hast, die letzten glühenden Kohlen meiner Hingabe an den Mann zu löschen, den du mich gezwungen hast zu verlassen.

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Wenn ich dich im Einkaufszentrum, im Supermarkt, auf den Wegen treffen würde, die ich hundertmal mit ihm gegangen bin, meinen Sohn zwischen uns in die Luft schwingend, würdest du mich überhaupt erkennen?

Würde dir klarwerden, wer ich bin?

Würdest du sehen, wie sich meine Augen verengen, die Traurigkeit in meinem Gesicht, wie sich mein Kiefer anspannt, wie das Licht meine Augen nicht ganz erreichen kann, wenn ich versuche zu lächeln, und dich für die Rolle verantwortlich fühlen, die du darin gespielt hast, dass ich die einzige Vorstellung von Familie verloren habe, die ich je kannte?

Würdest du meinen Schmerz erkennen? Würdest du wegen mir die Schuldgefühle empfinden, von denen du zerrissen sein solltest?

Würde ich dir all die Dinge erzählen, von denen er mir jemals gesagt hat, dass er sie an dir hasst, all die Male, die er mir versprach, dass du ihm nichts bedeutest, oder würde ich einfach schweigend weggehen und ihn wortlos weiter beschützen, ihn und dich und schlussendlich mich selbst?

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Mich zu verlieren fügt ihm Leid zu.

Ihn zu verlieren fügt mir Leid zu.

Aber aufgrund meines Wunsches, den ehrbaren Weg zu wählen, bleibst du ungestraft.

Du darfst weiterhin zwei Männer, eine Frau und ein unschuldiges Kind zerstören, ohne dass es eine einzige Konsequenz für dich nach sich zieht, abgesehen von welcher karmischen Gerechtigkeit auch immer, die dir irgendwann erteilt wird.

Ich weiß, dass du nicht die einzige bist, die Schuld trägt, und auch nicht die Hauptschuldige.

Ich weiß, dass er es ist. Aber du bist die Einzige, die nicht die Tiefe der Verzweiflung kennt, die dein Egoismus verursacht hat.

Du machst mit dem Besten aus beiden Welten weiter, während ich jede Nacht bis zehn Uhr im Bett liege und meinen schluchzenden Sechsjährigen im Arm halte, der nicht verstehen kann, warum wir das Zuhause des einzigen Mannes verlassen mussten, der ihm jemals ein Vater gewesen ist.

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Ein Mann, dessen Tränen ich abwischte, als ihm die Worte der Wahrheit am Silvesterabend im Hals steckenblieben. Ein Mann, dem das Herz brach, als er mir von dir erzählte und das meine brach.

Als die Uhr Mitternacht schlug und um uns herum das Feuerwerk explodierte, sahen wir uns in die Augen und begannen den ersten Tag des Jahres im Wissen, dass wir einander nach fünf Jahren gleich am Anfang dieses neuen Jahres verlieren würden.

Du warst in dieser Nacht nicht da, als er mich im Arm hielt, während wir uns im Bett hin und her wälzten, unsere Köpfe hämmernd von all unseren Tränen. Du warst nicht da an diesem Morgen, als er mit mir schlief, nachdem ich ihn angefleht hatte, mich etwas fühlen zu lassen – irgendetwas anderes.

Du warst nicht da am nächsten Morgen, als er mich an seine Brust gedrückt hielt, während ich genauso weinte wie ich es acht Monate zuvor getan hatte, als meine Mutter starb, oder beim Tod meines Vaters neun Jahre davor – die Art des Weinens, das direkt aus der Seele kommt, wenn sie um etwas trauert, was sie nie wieder zurückbekommen kann.

Meine Finger klammerten sich in die Falten seines Hemdes, Fäuste, die wünschten, dass sie die Kraft hätten ihn zu schlagen, aber stattdessen seinen Herzschlag unter sich spürten.

Im Wissen, dass dies das letzte Mal sein könnte, dass ich seinen Herzschlag unter meinen Händen spürte, ließ ich die Erinnerung sich für immer in meinen Geist einbrennen.

Du wirst nie wissen, dass noch zweimal, bevor ich ihn verließ, unsere Kleider zu Boden fielen und wir uns wieder vereinten.

Vielleicht versuchten wir das Bisschen zu retten, was noch übrig war.

Vielleicht versuchte ich zu beweisen, dass er dich nicht wirklich liebt.

Vielleicht, wahrscheinlicher als diese anderen Erklärungen, war ich einfach nur dumm. Aber es gab kein Zurück und du warst in jedem Augenblick zwischen uns, in dem ich versuchte, einen Grund zu finden, zu bleiben.

Einen Grund, ihm zu sagen, dass ich gehen würde, um ihn um mich kämpfen zu lassen. Gespräche, Zuneigung, Entschuldigungen, ein Schlussstrich – nichts konnte das auslöschen, was ihr beide während meiner ersten Feiertage in einem anderen Staat getan habt, in den zu ziehen ich mein altes Leben aufgegeben hatte.

Lass dich niemals von ihm glauben machen, dass er nicht wusste, dass ich mir endlich erlaubt hatte, ihm wieder zu vertrauen. Auf ihn zu hoffen. Für ihn hierher zu kommen, für Stabilität.

Für Geborgenheit.

Für Sicherheit.

Für die Liebe, von der ich dachte, dass er sie endlich zu geben bereit war, nachdem ich fast ein halbes Jahrzehnt gewartet hatte. Für die Liebe, die stattdessen du bekommst.

Du weißt vielleicht nichts davon.

Du weißt vielleicht nicht, was deine Entscheidung verursachte, dich bei diesem Mann zu melden, dessen Herz du schon einmal das Privileg hattest zu halten und dann zu brechen.

Du weißt vielleicht nicht, dass seine Entscheidung, dich wieder hereinzulassen, Wellen von Kollateralschäden ausgelöst hat, die sich weit über uns vier hinaus ausgebreitet haben, die direkt betroffen sind.

Zum ersten Mal in seinem Leben lernte mein Sohn, wie man Traurigkeit ausdrückt.

Zum ersten Mal, seit ich sie kennengelernt habe, habe ich die Frau weinen hören, die er Oma nennt.

Ich habe meine besten Freunde für mich weinen sehen, für meinen Sohn, seine Verwirrung.

Ich habe meine Schwester, meine Arbeitskollegen und sogar Bekannte sich die Tränen aus den Augen wischen sehen, weil alle, die uns oder mich kannten, dachten, dass es zwischen uns etwas Echtes war.

Und trotz allem tat ich das auch. Und unter alldem, trotz alldem, tut er das auch.

Vielleicht weißt du auch nicht, dass ich die Entscheidung getroffen habe, die du nicht treffen wolltest, Wochen bevor eure erste Affäre begann. Ich entschied mich für ihn.

Ich ordnete mein eigenes Leben neu, um ihm zu zeigen, dass er eines der wichtigsten Dinge darin war, aber ich hatte keine Ahnung, dass es schon zu spät war.

Ich hatte keine Ahnung, dass du schon die Saat des Zweifels in seinem Geist gepflanzt hattest, die zu den unangebrachten und fehlgeleiteten Gefühlen aufblühte, die er für dich erschaffen hat, um sich vor der wahren Liebe zu schützen.

Liebe, die ihm Angst einjagte, die alles Negative in Frage stellte, was er je von sich und seinem Wert geglaubt hat.

Liebe, die tatsächlich für immer sein könnte.

Liebe, die ihn dazu brachte, über hundert Meilen weit weg zu nichts als Enttäuschung und leeren Versprechungen zu ziehen, weil das alles war, was das Leben ihm je gezeigt hatte, womit er sich sicher fühlen konnte.

Es war bequemer, sich mit weniger zufriedenzugeben, als das Risiko zu wagen, sich kopfüber in etwas zu stürzen, was ihn komplett zerstören könnte, wenn er es verlieren würde.

Ahnungslos, wie ein Idiot, half ich ihm bei diesem Umzug. Recherchierte unzählige Wohnungen, half unzählige Bewerbungen zu aktualisieren und zu verschicken, feierte seine Erfolge, fand sogar die Möbel, auf denen du später neben ihm liegen würdest, während ich zwei Städte weiter alleine dalag und mich fragte, was ich falsch gemacht hatte.

Mich wieder verlassen fühlte, und all das nur wegen dir. Ihn sich auf mich stützen ließ, als es ihm schließlich wieder schlecht ging, und alles nur wegen dir. Jahre im Dunkeln verbracht, nie die Gründe gewusst, mir selbst die Schuld gegeben, alles nur wegen dir.

Und jetzt, ganz allein, einen Brief schreibend, den du wahrscheinlich nie lesen wirst, weil ich ihn wahrscheinlich nie abschicken werde.

Ich tue mein Bestes, um einem Kind, das Routine braucht, zu erklären, warum dieser Mensch, den es am meisten auf der Welt liebt, jemand ist, zu dem es nicht mehr nach Hause zurückgehen kann.

Ich tue mein Bestes, um mir selbst zu erklären, warum ich nicht auf seine Texte antworten und ihm sagen kann, dass ich ihn ebenfalls vermisse, warum ich ihm nicht sagen kann, dass ich ihn ebenfalls nie verlassen wollte.

Ich tue mein Bestes, um meine Tränen zu trocknen und meinen Kopf emotional, spirituell, finanziell und körperlich hochzuhalten, alles wegen dir.

Ihr beide und die gestellte Liebe, die zu fühlen ihr euch selbst überzeugt habt, damit sie das aus dem Wissen entstandene Grauen ersetzen kann, dass ihr alle zerstört, die ihr wirklich liebt und schlussendlich auch einander.

Eines Tages, wenn er endlich bereit ist, wenn er genug vor der Liebe weggelaufen ist, wenn er sich endlich aus den Scherben aufgerafft hat, in denen ich ihn zurückgelassen habe, indem ich gegangen bin, und in denen du ihn beim zweiten Mal zurückgelassen hast, das du dich weigerst, ihn an erste Stelle zu setzen, werde ich mich dazwischen entscheiden müssen, weiterhin in die Richtung wegzugehen, in die ich gegangen bin, oder ihn all meine Bedürfnisse erfüllen zu lassen – zu vergeben und meinem Herzen zu erlauben, seinen Weg zu ihm zurück zu finden.

Diese Entscheidung wird meine sein und nur die meine.

Die Wahl, die dir dagegen zusteht, ist die Wahl, die Dinge exakt so zu sehen, wie sie sind. Euch beide als das zu sehen, was ihr füreinander seid: eine Ablenkung.

Eine Flucht.

Eine Fantasie.

Wenn die Last, die einzige Frau zu verlieren, die ihn jemals wirklich geliebt und beschützt hat, sich schließlich in seinen Knochen niederlässt, wirst du es wissen.

Wenn er seltsam scheint, wenn er weit weg zu sein scheint, wenn es sich anfühlt, als ob er ganz woanders sei, selbst wenn er direkt vor dir ist, wenn er in dir ist, wirst du meine Anwesenheit fühlen. Obwohl ich weg bin, wirst du mich dort zwischen euch beiden spüren.

Du wirst das Band spüren, welches diese Distanz nicht zerreißt, so sehr ich auch versuche, es ausfransen zu lassen. Du wirst endlich wissen, dass dieser Mann nie dazu bestimmt war, dir zu gehören. Und so gerne ich auch sagen würde, dass ich hoffe, dass du es bereust, kann ich es nicht.

Ich hoffe, du siehst auf den Ring an deinem Finger hinunter, stehst einfach auf, nimmst deine Sachen, verschwindest und siehst nie wieder zurück.

Er hat so viel Unrecht getan. Er hat mir so viel Unrecht getan.

Er hat Fehler, die nicht zu leugnen sind, Schwierigkeiten, die flehen, überwunden zu werden und eine ganze Lebenszeit der Heilung zu vollenden.

L. K. (34)