Ein offener Brief an alle Frauen, die „längst drüber weg“ sein sollten..
Es ist nun fünf Jahre her. Oder vielleicht sieben? An manchen Tagen fühlt es sich an wie ein anderes Leben, das jemand anderem gehört hat.
Lies auch:Einen Narzissten ignorieren, der versucht, dich zu bestrafen
10 geradezu hinterhältige Dinge, die Narzissten in Beziehungen tun
14 Lügen, die Soziopathen und Narzissten dich glauben machen wollen
Du hast die Schlösser ausgetauscht. Du hast die Möbel verrückt, vielleicht die Stadt gewechselt. Du hast gelacht, du hast gearbeitet, du hast funktioniert. Du bist in Sicherheit.
Und doch gibt es diese Momente.
Es ist ein harmloser Dienstagmorgen. Dir fällt eine Kaffeetasse aus der Hand. Sie zerschellt am Boden. Und plötzlich ist es nicht einfach nur eine kaputte Tasse.
Dein Herzschlag schießt in den Hals, deine Hände werden eisig, und du wartest. Du wartest auf das Brüllen. Du wartest auf die Demütigung. Du machst dich körperlich klein, obwohl niemand im Raum ist, der dich anschreit.
Warum passiert das? Warum reagieren wir so heftig, obwohl der Missbrauch Jahre zurückliegt?
Oft schämen wir uns dafür. Wir denken: „Ich muss doch endlich normal sein. Warum bin ich immer noch so empfindlich?“ Aber ich möchte dir heute sagen: Du bist nicht kaputt. Du bist nicht verrückt.
Lies auch:Narzisst und Empath
8 Dinge, die du erwarten kannst, wenn du mit einem Narzissten Schluss machst
Wie ein Narzisst die Liebe wirklich sieht, aus der Sicht eines Narzissten geschrieben
Was du erlebst, ist keine Schwäche, sondern Biologie. Dein Körper und dein Nervensystem haben jahrelang in einem Kriegsgebiet überlebt. Sie haben gelernt, dass jede Bewegung, jedes Wort, jeder Atemzug Konsequenzen haben kann.
Hier sind sechs Dinge, die Überlebende von emotionaler Gewalt oft Jahre später noch kaum ertragen können – und die wissenschaftliche Erklärung, warum das völlig normal ist.
1. Das vernichtende Misstrauen bei „zu viel“ Freundlichkeit
Du lernst jemanden kennen. Er ist charmant. Er bringt dir Blumen mit, einfach so. Er sagt dir, wie wundervoll du bist. Andere Frauen würden dahinschmelzen. Aber du? Du spürst Übelkeit.
Dein Magen zieht sich zusammen. Statt Schmetterlingen hast du Warnsirenen im Bauch. Du suchst nach dem Haken. Du fragst dich: „Was will er wirklich? Wann kommt die Rechnung?“
Warum das so ist (Der Faktencheck): In deiner Vergangenheit war Freundlichkeit selten gratis. Sie war oft der Köder, um dich gefügig zu machen, oder die „Ruhe vor dem Sturm“. Dein Gehirn hat eine starke neuronale Verknüpfung hergestellt: Extreme Zuneigung = Beginnende Manipulation.
Lies auch:Vier Gründe, warum der Narzisst dich nie geliebt hat
Eine Beziehung zu einem Narzissten wird immer einseitig sein
Das Handbuch für narzisstische Partner
Neurowissenschaftlich betrachtet stuft deine Amygdala (das Angstzentrum im Gehirn) diese „perfekte“ Situation als Bedrohung ein, weil sie dem Muster ähnelt, das früher zu Schmerz führte.
Dass du Nettigkeit kaum erträgst, ist also kein Zeichen dafür, dass du beziehungsunfähig bist, sondern dass dein Schutzsystem hervorragend funktioniert. Es versucht, dich vor einer Wiederholung zu bewahren.
2. Die Unfähigkeit, einfache Fehler zu machen (Das „Zerbrochene-Glas-Syndrom“)
Wir alle machen Fehler. Wir vergessen Milch zu kaufen, wir lassen Dinge fallen, wir verfahren uns. In einem gesunden Leben sagt man „Ups“ und macht weiter. Für dich fühlt sich ein kleiner Fehler jedoch an wie eine existenzielle Bedrohung.
Wenn dir ein Missgeschick passiert, überflutet dich sofort Panik. Du beginnst dich präventiv zu entschuldigen, vielleicht zehnmal hintereinander. Du versuchst krampfhaft, den Fehler zu vertuschen oder sofort zu beheben, bevor es jemand merkt.
Warum das so ist: Du wurdest konditioniert. In der toxischen Beziehung wurden kleine Fehler nicht als menschlich angesehen, sondern als Beweis für deine Unzulänglichkeit genutzt.
Lies auch:Wie ein Narzisst das Leben und dich sieht
Warum du dich nach narzisstischer Misshandlung niemals in eine neue Beziehung stürzen solltest
Vier Dinge, die ein Narzisst sagen wird, um dich abzuwerten
Ein vergessenes Brot war kein Versehen, sondern ein Zeichen dafür, dass du „dumm“, „egoistisch“ oder „nutzlos“ bist. Dein Nervensystem hat gelernt: Fehler = Gefahr/Vernichtung. Diese Koppelung löst sich nur sehr langsam auf.
Dein Körper reagiert mit einer Stressantwort (Kampf oder Flucht), noch bevor dein logischer Verstand begreifen kann, dass du heute sicher bist und niemand dich dafür bestrafen wird.
3. Wenn Frieden sich „falsch“ oder langweilig anfühlt
Es ist ein ruhiger Abend. Kein Streit, kein Drama, keine unterschwelligen Spannungen. Alles ist gut. Und genau das macht dich nervös. Du rutschst auf dem Sofa hin und her.
Du provozierst vielleicht sogar unbewusst einen kleinen Konflikt, nur damit „etwas passiert“. Oder du fühlst dich leer und gelangweilt, weil die großen Emotionen fehlen.
Warum das so ist: Dein Körper hat sich an einen konstanten Hormoncocktail aus Stresshormonen (Cortisol und Adrenalin) gewöhnt. In der Missbrauchsbeziehung gab es immer diese extremen Hochs und extremen Tiefs.
Lies auch:Narzissten lieben – 7 Gründe, warum es weh tut, einen Narzissten zu lieben
Gebrochener Narzisst
10 Zeichen, dass du mit einem selbstverliebten Narzissten zusammen bist!
Dein System war permanent in Alarmbereitschaft. „Normale“ Sicherheit fühlt sich für dein Gehirn fremd an. Es ist wie ein Entzug. Wenn die gewohnte Überflutung durch Stresshormone ausbleibt, interpretiert dein Unterbewusstsein die Stille paradoxerweise oft als „Ruhe vor dem Sturm“.
Es dauert lange, bis das Nervensystem lernt, dass Ruhe nicht Gefahr bedeutet, sondern Erholung.
4. Das zwanghafte Erklären (Der Anwalt im eigenen Kopf)
Jemand fragt dich: „Warum hast du diesen Job angenommen?“ oder „Warum magst du diesen Film nicht?“ Statt einfach zu sagen: „Weil ich Lust darauf habe“, holst du zu einem fünfminütigen Monolog aus.
Du legst Beweise vor, du begründest deine Entscheidung logisch, moralisch und finanziell. Du hast das Gefühl, du darfst keine Meinung haben, ohne sie hieb- und stichfest wie vor Gericht zu verteidigen.
Warum das so ist: Dir wurde jahrelang das Recht auf deine eigene Wahrnehmung abgesprochen. Deine Realität wurde ständig infrage gestellt oder verdreht. Du hast gelernt, dass ein einfaches „Nein“ oder „Ich will das so“ nie akzeptiert wurde.
Lies auch:5 hinterhältige Dinge, die Narzissten tun, um dich auszunutzen
Wie sich eine Beziehung mit einem Narzissten wirklich anfühlt
5 narzisstische Manipulationstaktiken, die Narzissten benutzen, um in deinen Kopf zu kommen
Es folgten stundenlange Diskussionen, bis du weichgeklopft warst. Dieses „Über-Erklären“ ist eine Überlebensstrategie. Du versuchst unbewusst, jeden möglichen Angriffspunkt vorwegzunehmen, um nicht wieder als „verrückt“ oder „unlogisch“ dargestellt zu werden. Es ist der Versuch, durch Worte Sicherheit herzustellen.
5. Dass wir uns selbst nicht trauen (Die Angst, die „Böse“ zu sein)
Das ist vielleicht der schmerzhafteste Punkt, über den kaum jemand spricht. Manchmal, wenn wir wütend werden, wenn wir eine Grenze setzen oder wenn wir mal laut werden, durchfährt uns ein eisiger Schreck: „Bin ich jetzt wie er? Bin ich die Narzisstin?“
Wir haben so oft gehört, dass wir die Schuldigen sind, dass wir an unserer eigenen Güte zweifeln. Wir analysieren jedes unserer Worte: War das zu hart? War das manipulativ?
Warum das so ist: Eine der effektivsten Taktiken emotionaler Gewalt ist die „Projektion“. Der Täter wirft dem Opfer genau das vor, was er selbst tut. Er nennt dich egoistisch, wenn er Grenzen missachtet. Er nennt dich aggressiv, wenn du dich wehrst.
Lies auch:3 hinterlistige und beängstigende Trennungstaktiken eines Narzissten
Narzisstisches Spiegeln
Kuscheln Narzissten gerne?
Diese Stimmen sind noch in deinem Kopf. Aber hier ist der wissenschaftliche und logische Unterschied: Wirkliche emotionale Täter hinterfragen sich selten.
Die Tatsache, dass du dir Sorgen machst, ob du ein guter Mensch bist, dass du Empathie zeigst und deine Handlungen reflektierst, ist der stärkste Beweis dafür, dass du nicht wie er bist. Deine Angst ist lediglich das Echo seiner Anschuldigungen.
6. Körperliche Symptome, die Ärzte nicht erklären können
Jahre später, obwohl die Seele heilt, spielt der Körper manchmal verrückt. Plötzliche Erschöpfung, chronische Schmerzen, Magenprobleme oder Autoimmunerkrankungen. Du läufst von Arzt zu Arzt, aber oft heißt es: „Organisch fehlt Ihnen nichts.“
Warum das so ist: Trauma setzt sich nicht nur im Kopf fest, sondern in den Zellen. Das ist keine Esoterik, sondern Biologie. Wenn der Körper über Jahre im „Überlebensmodus“ war, waren Verdauung, Immunsystem und Regeneration zweitrangig – alle Energie ging in die Muskelspannung und Wachsamkeit.
Lies auch:Was ein Narzisst von seinem Partner erwartet
Die 7 großen Zeichen, dass du mit einem Narzissten schläfst
5 Gründe, warum dein narzisstischer Ex dich nie vergessen wird
Auch wenn der Kopf weiß „Es ist vorbei“, braucht der Körper viel länger, um den Dauer-Alarm abzuschalten. Das nennt man Somatisierung. Dein Körper trägt die Last, die du emotional vielleicht schon abgelegt hast. Er braucht Geduld und sanfte Signale der Sicherheit, um zu verstehen, dass er die Rüstung ablegen darf.
Was wir daraus lernen (und warum es Hoffnung gibt)
Wenn du dich in diesen Punkten wiederfindest, dann nimm dich heute selbst in den Arm. Sei nicht wütend auf dich.
Schau dir diese Reaktionen an und sag zu ihnen: „Danke. Danke, dass ihr mich damals beschützt habt. Ihr habt dafür gesorgt, dass ich wachsam bleibe, dass ich keinen Fehler mache, der mich teuer zu stehen kommt. Ihr habt mir das Leben gerettet.“
Aber dann sag ihnen auch: „Heute brauche ich euch nicht mehr im Dienst. Der Krieg ist vorbei.“
Die Heilung verläuft nicht linear. Unser Gehirn ist plastisch – das heißt, es ist veränderbar. Genau wie es gelernt hat, Gefahr zu wittern, kann es lernen, Sicherheit zu spüren. Es braucht keine großen Gesten, sondern viele kleine, neue Erfahrungen.
Lies auch:Wie man mit einem Narzissten umgeht – 8 kluge & einfache Schritte
Warum du NIEMALS Paartherapie mit einem Narzissten versuchen solltest
Haben Narzissten magische sexuelle Kräfte?
Das 500. Mal, wenn du einen Teller fallen lässt und niemand schreit. Das 500. Mal, wenn du „Nein“ sagst und dein neuer Partner es einfach akzeptiert. Das 500. Mal, wenn es still ist und danach kein Sturm folgt.
Mit jedem dieser Momente überschreibst du die alten Programme. Du bist nicht kaputt. Du bist eine Frau, die durch die Hölle gegangen ist und dabei gelernt hat, Feuer zu atmen. Und jetzt lernst du langsam, wieder einfach nur Luft zu atmen.
Du schaffst das.
Ähnliche Beiträge
3 hinterhältige und beängstigende Trennungstaktiken eines Narzissten10 Zeichen des narzisstischen Fremdgehens & wie du sie ansprichst
Was lässt einen Narzissten jemanden anderen lieben?








