Wenn Depressionen wie Faulheit aussehen

Ein Mangel an Motivation kann manchmal mit Faulheit verwechselt werden, besonders dann, wenn du unter Depressionen leidest. Aber es ist absolut nicht dasselbe und es hilft nicht, diese Etiketten zu verwenden.

In letzter Zeit hast du keine Lust auf irgendetwas gehabt. Null. Außer vielleicht auf der Couch liegen und dich durch die sozialen Medien zu scrollen.

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Oder vielleicht bist du widerwillig für die Arbeit aufgestanden und hast dich gefühlt, als ob dir Motivation und Energie ausgegangen sind. Andere Aufgaben zu erledigen fühlt sich vielleicht genauso schwierig an.

Du fragst dich also: „Bin ich faul oder deprimiert? Was ist los mit mir?“

Mit diesen Fragen stehst du nicht alleine da. Es ist ganz natürlich, dich zu fragen, warum die Erledigung von Aufgaben dir so schwer fällt.

Aber den Unterschied zwischen dem, was manche Menschen Faulheit nennen, und den Anzeichen einer Depression zu kennen, ist wichtig und kann helfen, dass du die nötige Unterstützung bekommst.

Ist Faulheit ein Symptom von Depressionen?

Faulheit ist kein offizielles Symptom für irgendeine Art von Depression.

Es gibt viele Symptome einer Depression, die so aussehen können wie das, was wir für Faulheit halten. Einige dieser Symptome sind:

– mangelndes Interesse an Dingen, die du früher gerne gemacht hast

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– wenig Energie und Motivation

– Änderungen der Schlafgewohnheiten

– Konzentrationsschwierigkeiten

– Schwierigkeiten, Aufgaben zu beginnen und zu beenden

Um genau zu sein, leiden über 90% der Menschen mit Depressionen unter Müdigkeit, ein Symptom, das ebenfalls mit Faulheit verwechselt werden kann.

Es ist nicht ungewöhnlich für Kinder und Jugendliche, fälschlicherweise als faul bezeichnet zu werden, bevor eine Diagnose einer Depression erhalten wird.

Missverständnisse über die Zeichen einer Depression können vor allem dann passieren, wenn du Schwierigkeiten mit den folgenden Dingen hast:

– aus dem Bett oder von der Couch zu kommen

– Hausarbeiten wie Kochen, Putzen, Geschirrspülen zu erledigen

– Duschen und andere Körperhygiene 

– Arbeit oder schulische Aufgaben zu erledigen

– Sport treiben

Diese Herausforderungen können dir das Gefühl geben, dass du faul bist, aber es steckt mehr dahinter als nur eine persönliche Entscheidung.

Manche Menschen können sich auch bis zum Grad der Erschöpfung überarbeiten und als Folge daraus Depressionen bekommen.

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Scheinbare Faulheit kann auch ein Zeichen einer Antriebsstörung sein. Dabei handelt es sich um einen schweren Mangel an Motivation, der die Erledigung jeglicher Aufgaben schwierig oder fast unmöglich macht.

Es ist manchmal ein Zeichen für Depressionen und andere Erkrankungen wie Schizophrenie.

Insgesamt können bestimmte Symptome einer Depression wie Faulheit wirken, aber sie könnten Ausdruck einer bestehenden Stimmungsstörung sein. Eine genaue Diagnose kann jedoch nur ein ausgebildeter Psychologe stellen.

Depressionen sehen nicht immer gleich aus

Depressionen treten in verschiedenen Formen auf, die alle ihre eigenen Diagnosekriterien und Symptome haben.

Selbst im Rahmen dieser verschiedenen Formen sieht eine Depression bei jedem anders aus.

Beispielsweise fällt es manchen Menschen mit Depressionen schwer, überhaupt aus dem Bett zu kommen. Andere können zwar aktiv arbeiten und Sozialkontakte pflegen, weisen aber andere Symptome wie Hoffnungslosigkeit und Reizbarkeit auf.

Schwere depressive Störung

Die schwere oder klinische Depression ist die häufigste Form der Depression.

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Die Symptome dauern normalerweise länger als 2 Wochen an und können umfassen:

– tiefe Traurigkeit

– vermindertes Interesse an Aktivitäten

– tiefste Erschöpfung

– zu wenig oder zu viel essen

– zu wenig oder zu viel Schlaf

– zerstörtes Selbstwertgefühl

– Unfähigkeit, sich zu konzentrieren oder Entscheidungen zu treffen

– Selbstmordgedanken

Anhaltende depressive Störung

Bei dieser chronischen Form der Depression, die früher Dysthymie genannt wurde, dauern die Symptome länger als zwei Jahre an und sind normalerweise nicht so schwerwiegend wie bei der schweren depressiven Störung.

Du merkst vielleicht gar nicht, dass du an einer Depression leidest, weil von dieser Erkrankung Betroffene häufig annehmen, dass es einfach Teil ihrer Persönlichkeit ist.

Du glaubst möglicherweise, dass du schon immer so gewesen bist, solange du dich erinnern kannst.

Die Symptome einer anhaltenden depressiven Störung ähneln denen einer schweren Depression, sind aber weniger heftig und schwer. Trotzdem können die Symptome stark beeinflussen, wie du dich selbst, andere und die Welt im Allgemeinen siehst.

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Therapie kann bei Depressionen helfen

Verbessere deine Lebensqualität mit der Unterstützung eines Therapeuten. Sprich in einer Telefon- oder Videostunde mit einem Therapeuten und bleibe den Tag über mit ihm verbunden.

Woher weiß ich, dass es keine Faulheit ist?

Es kann manchmal schwierig sein, zwischen den Symptomen einer psychischen Störung und einem einfachen Persönlichkeitszug zu unterscheiden.

Nur ein Experte kann dir eine genaue Diagnose geben und einen Behandlungsplan für dich erstellen. Darum ist es sehr zu empfehlen, dir Hilfe bei einem Therapeuten zu suchen.

Einige Anzeichen, dass du es mit mehr als nur Prokrastination zu tun hast:

Deutliche Veränderungen. Beispielsweise fällt es jemandem, der früher voller Energie und Tatendrang war, jetzt schwer, die einfachsten Aufgaben zu erledigen.

Unerfüllte Pflichten – Es ist ein wichtiges Anzeichen, wenn jemand Schwierigkeiten hat, für sich selbst oder seine Kinder zu sorgen, seinen Job zu behalten und alltägliche Aufgaben wie den Haushalt zu erledigen.

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Was verursacht Faulheit?

Faulheit wird definiert als „Widerwille eines Menschen, eine Aufgabe oder eine Übung trotz der Fähigkeit dazu zu erledigen“. Willenskraft und Intention gehören dazu.

Aber Faulheit ist ein komplexeres Konzept mit mehr Nuancen, als uns klar ist. Zunächst einmal kann Faulheit sehr wohl ein kulturelles Konstrukt sein, und dazu eines, das oft mit Stigmatisierung und Vorurteilen einhergeht.

Schon von Kindesbeinen an sind wir von Botschaften umgeben, die Erfolg und Selbstwert mit unablässiger Produktivität gleichsetzen.

Wenn wir also nicht produktiv sind, urteilen wir uns selbst oder andere als faul ab.

Dich selbst – oder jemanden anderen – als faul abzustempeln, kann dazu führen, dass du die grundlegenden, entscheidenden Gründe übersiehst, warum du eine Aufgabe nicht erledigen oder deinen Alltag nicht bewältigen kannst.

Den Begriff „faul“ zu verwenden, kann eine Vielzahl von plausiblen, wichtigen Erklärungen übertünchen, die effektiv gelöst werden können.

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Kurz gesagt: Anzunehmen, dass du faul bist (oder jemand anderes), hält dich davon ab, die darunterliegenden Gründe für deinen derzeitigen Zustand herauszufinden.

In Wirklichkeit kann Faulheit viele Gründe haben. Vielleicht schiebst du aus folgenden Gründen Sachen auf oder bist unmotiviert:

– Erschöpfung, weil du deinen Terminkalender zu voll gepackt oder einen pandemiebedingten Burn-out hast

– Schwierigkeiten, eine schwierige Aufgabe zu erledigen, wie ein Schulprojekt, was auch ein Zeichen für eine Lernstörung oder ernährungsbedingte Mangelerscheinungen sein kann

– eine Krankheit, die chronische Müdigkeit oder Lethargie verursacht, wie Fibromyalgie, eine Autoimmunerkrankung oder chronisches Erschöpfungssyndrom

– eine andere psychische Erkrankung, wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Angststörungen oder Schizophrenie

– chronischer Stress

– eine existenzielle Krise oder eine existenzielle Depression

Noch eine Sache: Faulheit ist kein wirkliches Persönlichkeitsmerkmal. Es ist eher eine Verhaltensweise.

Allerdings sind manche Menschen von Natur aus konzentrierter, energischer und zielorientierter als andere. Das ist nicht unbedingt gut oder schlecht, besonders wenn der Alltag dadurch nicht beeinträchtigt wird. 

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Trotzdem können manche Menschen, die motivierter sind, andere Menschen mit gegenteiligen Eigenschaften negativ beurteilen.

Fassen wir zusammen

Bei manchen Menschen kann scheinbare Faulheit in Wirklichkeit ein Zeichen für klinische Depressionen, eine Antriebsstörung oder andere gesundheitliche Probleme sein.

Aufschieben und ein Mangel an Motivation können auch mit Stress oder Burnout in Verbindung stehen – etwas, das so viele von uns in der Pandemie empfinden.

Wenn du festgestellt hast, dass du einen erheblichen Motivationsmangel oder zusätzliche Symptome aufweist, die eher auf Depressionen (oder andere Erkrankungen) passen, solltest du dir überlegen, dir professionelle Hilfe zu suchen.

Und wenn du denkst, dass es einfach nur reine Faulheit ist, denke darüber nach, was das für dich bedeutet und welche Botschaften du über Faulheit erhalten hast.

Es könnte gut für dich sein, dich daran zu erinnern, dass du ein menschliches Wesen bist, das sich ausruhen und auftanken muss – und das geht darüber hinaus, dir Etiketten wie „faul“ aufzudrücken.

Denke stattdessen darüber nach, dich um dich selbst zu kümmern.

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